Ärzte Zeitung, 09.10.2007

Symptomlose PAVK ist Marker für generalisierte Atherosklerose

Mit Bestimmung des Knöchel-Arm-Index können Risikopatienten früh erkannt werden

MÜNCHEN (wst). Eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) ist ein Marker für eine generalisierte Atherosklerose mit hohem Herzinfarkt-, Schlaganfall- und Sterberisiko. Sind die Risikopatienten noch symptomlos, können sie durch die Bestimmung des Knöchel-Arm-Index erkannt werden.

Ein Doppler-Gerät - hier eingesetzt, um den Blutfluss der A. dorsalis pedis zu prüfen - wird auch genutzt, um den Knöchel-Arm-Index zu bestimmen. Foto: Imago

Die Untersuchung sollte daher zur bezahlten Routine in der hausärztlichen Praxis werden. Das haben Angiologen, Kardiologen und Neurologen bei der Angiologen-Tagung in München gefordert. Sie beziehen sich dabei auf Ergebnisse großer epidemiologischer Studien. So stellte Professor Hans-Joachim Trampisch aus Bochum die aktuellen Fünf-Jahres-Daten der von Sanofi-Aventis unterstützten und vom Forschungsministerium weiter finanzierten getABI*-Studie vor. Im Oktober 2001 waren bundesweit 6880 zufällig ausgewählte Hausarzt-Patienten über 65 Jahre aus 344 Praxen in diese Studie einbezogen worden.

In der Eingangsuntersuchung fanden die besonders geschulten Hausärzte bei knapp 21 Prozent der Patienten einen erniedrigten Knöchel-Arm-Index (ABI) von unter 0,9 - ein klarer Hinweis auf eine bestehende PAVK. Eine symptomatische PAVK hatten 8,7 Prozent. 12,1 Prozent und damit der größere Teil hatten eine asymptomatische PAVK.

Innerhalb der jetzt ausgewerteten Nachbeobachtungszeit von fünf Jahren waren insgesamt zwölf Prozent aller Patienten gestorben. Von den Patienten mit initialem ABI von 0,9 und darüber starben 9,4 Prozent, von denen mit asymptomatischer PAVK 19 Prozent. Von jenen, die zu Beginn eine symptomatische PAVK hatten, starb fast jeder vierte. Der Unterschied zwischen den beiden letzten Gruppen war dabei nicht signifikant.

Unabhängig von klinischen Symptomen sollten PAVK-Patienten umgehend eine anti-atherosklerotische und antiischämische Sekundärprävention einschließlich einer Thrombozytenfunktionshemmung mit ASS oder Clopidogrel (vom Unternehmen als Plavix® angeboten) erhalten, folgerte Professor Curt H. Diehm aus Karlsbad.

*getABI: German epidemiological trial on ankle brachial index.

STICHWORT

ABI

Der Knöchel-Arm-Index oder ABI (Ankle Brachial Index) errechnet sich als Quotient des am Knöchel gemessenen systolischen Blutdrucks und des am Oberarm ermittelten systolischen Blutdrucks. Der Patient liegt, gemessen wird Ultraschall-gestützt. (wst)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »