Ärzte Zeitung Extra, 18.07.2008

Diagnostik

Die Bestimmung des ABI ist am wichtigsten

 Die Bestimmung des ABI ist am wichtigsten

Bestimmung des Blutdrucks am Knöchel zur Errechnung des Knöchel-Arm-Indexes.

Foto: C. Diehm

Alle älteren Patienten sollten untersucht werden, besonders, wenn sie einen Risikofaktor für Gefäßschäden haben

Alle älteren Patienten in Hausarztpraxen sollte man grundsätzlich auf PAVK untersuchen, vor allem, wenn sie mindestens einen Risikofaktor für Durchblutungsstörungen haben. Die aussagekräftigste Methode ist die Bestimmung des Knöchel-Arm-Index‘ (Ankle-Brachial-Index, ABI).

Erste diagnostische Maßnahme ist die Palpation der Fußpulse. Ältere Menschen und Risiko-Patienten wie Raucher, Diabetiker, Hypertoniker und Übergewichtige sollte man gleich bitten, die Schuhe auszuziehen. Allerdings kostet es Zeit, bis gerade alte Menschen ihre Schuhe ausgezogen haben. In Großbritannien werden Patienten deshalb schon von den Helferinnen dazu aufgefordert.

Das Tasten der Fußpulse und die Auskultation der Bein-Arterien bestätigen oft schon die Verdachtsdiagnose. Wirbelbildungen über Verengungen in den Arterien sind besonders gut hörbar nach muskulärer Belastung. Deshalb sollten die Patienten vorher einige Schritte gehen oder sich mehrfach auf die Zehen stellen.

Die wichtigste diagnostische Methode ist die Bestimmung des ABI. Das dauert nur wenige Minuten und ist gut in den Praxisalltag zu integrieren. Der systolische Blutdruck wird am Oberarm gemessen und am Knöchel mit einem Doppler bestimmt, jeweils links und rechts. Vorher sollten die Patienten zehn Minuten ruhen. Dann wird der Knöchelwert durch den Armwert geteilt. Ein ABI-Wert unter 0,9 gilt als klarer Hinweis auf eine PAVK. Werden die jeweils höheren Werte verwendet, kommen häufig falsch-normale Werte heraus, vor allem bei Diabetikern. Deshalb empfiehlt Professor Curt Diehm, besser mit dem niedrigeren Knöcheldruck zu rechnen.

Die ABI-Bestimmung ist als einfache, nicht-direktionale Doppleruntersuchung im EBM mit der Berechnung des Ordinationskomplexes abgegolten, kann also nicht extra abgerechnet werden. Vielleicht wird auch deshalb diese Untersuchung noch zu selten gemacht. Zu Unrecht, denn, so Diehm: "Die Spezifität und Sensitivität der ABI-Messung ist unvergleichbar höher als bei etablierten präventiven Untersuchungen wie Mammografie oder Hämokkulttest." Daher plädiert die Gefäßliga, die ABI-Bestimmung als Screening-Maßnahme zur PAVK-Frühdiagnostik in die Vorsorgeuntersuchungen aufzunehmen.

Zur Diagnostik bei PAVK gehört zudem der Gehstreckentest auf dem Laufband. Bei vorgegebener Geschwindigkeit (etwa 3,2 km/h) und Steigung (etwa 12 %) kann die Gehleistung der Patienten gemessen werden. Dabei wird die Strecke in Metern bis zum Beginn von Schmerzen in der Wade - schmerzfreie Gehstrecke - und bis zum Abbruch wegen starker Schmerzen - maximale Gehstrecke - bestimmt. (ug)

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