Ärzte Zeitung online, 26.07.2011

Betablocker auch bei pAVK-Patienten mit Hypertonie eine Option

MAINZ (ob). Die Zeiten, als Betablocker bei Patienten mit peripherer arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) als kontraindiziert galten, sind längst vorbei. Vielmehr profitieren sie auch funktionell von der Therapie mit Betablockern, wie aktuelle Studiendaten erneut belegen.

Betablocker auch bei pAVK-Patienten mit Hypertonie eine Option

Bestimmung des Blutdrucks am Knöchel zur Errechnung des Knöchel-Arm-Index.

© Prof. Curt Diehm

Die Sorge, dass Betablocker etwa Claudicatio-Beschwerden weiter verschlechtern könnten, scheint unbegründet zu sein. Einiges spricht dafür, dass speziell Betablocker mit vasodilatierenden Eigenschaft wie Nebivolol oder Carvedilol bei pAVK-Patienten von Vorteil sein könnten.

Ob sich ein solcher Vorteil klinisch verifizieren lässt, hat eine Forschergruppe um Professor Christine Espinola-Klein aus Mainz in einer NORMA (Nebivolol or Metoprolol in Arterial Occlusive Disease) getauften Vergleichsstudie geprüft (Hypertension 2011; 58: 148-154).

Dafür sind 128 pAVK-Patienten mit Claudicatio intermittens und Bluthochdruck randomisiert einer Behandlung mit Nebivolol (5 mg/Tag) oder Metoprolol (95 mg/Tag) zugeteilt worden. Die Behandlungsdauer betrug 48 Wochen.

Schmerzfreie Gehstrecke unter Nebivolol verlängert

In ihrer Wirkung unterschieden sich beide Betablocker nicht groß. Sowohl unter Nebivolol als auch Metoprolol war eine signifikante Zunahme der maximalen Gehstrecke zu verzeichnen.

Auch der Knöchel-Arm-Index (ankle-brachial-index, ABI) als Maß für die Durchblutungsstörung zeigte sich in beiden Gruppen leicht verbessert.

Nur beim funktionellen Parameter "schmerzfreie Gehstrecke" gab es einen Unterschied. Sie nahm in der Nebivolol-Gruppe signifikant um 33,9 Prozent zu, in der Metoprolol-Gruppe dagegen nur nicht signifikant um 16,6 Prozent.

Keiner der beiden Betablocker hatte einen relevanten Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten.

Auch die flussvermittelte Dilatation in der Arteria brachialis als Marker für die Endothelfunktion blieb unverändert. Zumindest im Falle von Nebivolol, das die Endothelfunktion über NO-abhängige Mechanismen günstig beeinflussen soll, verwundert dies ein wenig.

Ungünstiger Einfluss durch RAS-Hemmer?

Die Autoren erklären dies damit, dass bei den an der Studie beteiligten Patienten die Gefäßschädigung möglicherweise schon so weit fortgeschritten war, dass die endotheliale Dysfunktion trotz Nebivolol nicht mehr reversibel war.

Auch die Begleittherapie in Form etwa von Hemmern des Renin-Angiotensin-Systems, die ebenfalls die Endothelfunktion günstig beeinflussen, könnte dazu beigetragen haben, dass die vasodilatierenden Eigenschaften dieses Betablockers nicht mehr voll zur Geltung kamen.

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