Ärzte Zeitung online, 13.10.2017

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie

Neue Behandlungsleitlinien für die PAVK

Vor Kurzem präsentierte die European Society of Cardiology (ESC) neue Behandlungsleitlinien. Diese empfehlen für PAVK-Patienten eine lipidsenkende Therapie, und zwar in erster Linie mit Statinen.

Neue Behandlungsleitlinien für die PAVK

Bei Patienten mit PAVK wird empfohlen, nicht nur den Knöchel-Arm-Index im Auge zu behalten, sondern auch auf kardiale Symptome zu achten.

© Arteria Photography

DÜSSELDORF. Studiendaten zeigen, dass mit eine lipidsenkenden Behandlung auch die Gehstrecke von Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) verbessert werden kann. Wie die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie aktuell verweist, gehen die neuen Leitlinien auch ausführlich auf die geeigneten Mittel zur Thrombozytenaggregations-Hemmung bzw. Antikoagulation ein.

"Neu in den europäischen Leitlinien ist, dass diesbezüglich Clopidogrel als besser wirksam angesehen wird als Aspirin, wie die CAPRIE-Studie zeigt", so Prof. Christiane Tiefenbacher, Tagungspräsidentin der DGK-Herztage 2017. Zudem werde empfohlen, dass PAVK-Patienten, die Marcumar oder andere Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung bekommen, wegen des erhöhten Blutungsrisikos nicht zusätzlich noch Thrombozytenaggregations-Hemmer einnehmen sollen.

Neu ist darüber hinaus die Empfehlung, dass bei Patienten mit PAVK systematisch darauf geachtet werden sollte, ob Anzeichen für eine koronare Herzerkrankung oder eine Herzinsuffizienz bestehen. Umgekehrt wird dazu geraten, bei Patienten mit solchen Herzerkrankungen zu untersuchen, ob auch eine PAVK vorliegt.

Die PAVK sollte am besten von einem "Gefäßteam" aus Kardiologen, Angiologen und Gefäßchirurgen behandelt werden. Dieses Team sollte – ähnlich wie die bewährten "Herz-Teams" – eine multidisziplinäre Behandlungermöglichen, betont Tiefenbacher.

Nach Angaben der Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V. leiden 4,5 Millionen Menschen in Deutschland unter einer PAVK. Versicherungsdaten belegten jährlich 500 bis 600 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Nach Schätzungen liegt die Zahl der über 40-Jährigen, die an einer PAVK leiden, mittlerweile bei fünf bis zehn Prozent.

Nicht nur die Zahl der Fälle sei alarmierend, so Prof. Tiefenbacher, sondern auch die Tatsache, dass PAVK-Patienten eine hohe Sterblichkeit aufweisen: "Dies ist eine Folge des hohen Risikos, zusätzlich zu PAVK auch kardiovaskuläre Krankheiten zu haben." Bei etwa einem Drittel der PAVK-Patienten bestehe eine koronare Herzerkrankung, jeder Dritte habe Veränderungen an der Halsschlagader und somit ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. (run)

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