Ärzte Zeitung, 07.02.2006

Schlaganfall - Jedes zweite Rezidiv tritt in der ersten Woche danach auf

Studie bei 852 Patienten aus Stroke Units / Skala hilft, das Rezidiv-Risiko einzuschätzen

REGENSBURG (sto). Schlaganfall-Patienten haben ein hohes Rezidivrisiko. Das gilt auch für solche, die auf einer Stroke Unit behandelt worden sind. Nach einer Studie haben 69 Prozent von ihnen ein hohes Risiko, binnen kurzem erneut einen Apoplex zu erleiden. Dabei ereignet sich etwa die Hälfte der Rezidive bereits in der ersten Woche nach dem ersten Schlaganfall.

Professor Hans-Christoph Diener: Auch Patienten mit transitorisch ischämischen Attacken (TIA) gehören auf eine Stroke Unit. Foto: Ogilvy Healthcare

Zu den Risikofaktoren für einen erneuten Schlaganfall gehören nach dem "Essen Stroke Risk Score" (ESRS) das Alter, Rauchen, Bluthochdruck, früherer Herzinfarkt, früherer Schlaganfall oder TIA, periphere arterielle Verschlußkrankheit (pAVK) sowie andere kardiovaskuläre Erkrankungen.

Studie mit 852 Patienten auf Schlaganfall-Stationen

Liegen drei und mehr Risikofaktoren vor, sei das Risiko für einen weiteren Schlaganfall innerhalb eines Jahres stark erhöht, sagte Professor Hans-Christoph Diener von der Universitätsklinik Duisburg-Essen, der den Risiko-Score entwickelt hat.

Wie viele Patienten auf Schlaganfall-Spezialstationen zur Hochrisikogruppe gehören und deshalb eine besonders intensive Therapie benötigen, wurde in der SCALA-Studie (Systemic Risk Score Evaluation in Ischaemic Stroke Patients) untersucht. In der Studie, die auch von dem Unternehmen Sanofi-Aventis unterstützt wird, wurden zwischen Juli und Oktober 2005 in 85 Stroke Units 852 Patienten untersucht.

Hirninfarkte waren meist nur leicht ausgeprägt

Die Ergebnisse hat Diener bei der 23. Arbeitstagung für Neurologische Intensiv- und Notfallmedizin in Regensburg vorgestellt. Die klinischen Untersuchungen ergaben, daß viele der Patienten eine milde Ausprägung des Schlaganfalls hatten, aber oftmals Begleiterkrankungen, die das Rezidiv-Risiko erhöhen.

Am häufigsten waren erhöhter Blutdruck (71 Prozent), Herz-Kreislauf-Erkrankungen (41 Prozent), Diabetes (26 Prozent) sowie eine symptomatische pAVK (zehn Prozent). Eine pAVK ist nach den Angaben von Diener ein besonders wichtiger Risikofaktor, weil sie wie der Schlaganfall auf der Atherosklerose als Grunderkrankung beruht.

Jeder zweite Patient hatte eine symptomlose pAVK

Bei jedem zweiten Patienten in der SCALA-Studie wurde mit dem Knöchel-Arm-Index (ABI) eine - allerdings meistens symptomlose - periphere arterielle Verschlußkrankheit nachgewiesen.

Patienten mit einem hohen Risiko sollten mit Thrombozytenaggregationshemmern behandelt werden. Be-steht außerdem noch eine pAVK, sollte mit Clopidogrel (vom Unternehmen als Plavix® angeboten) behandelt werden, empfahl Diener.

Diener hat daran erinnert, daß auch vorübergehende Funktionsstörungen wie einseitige Lähmungen und Gefühlsstörungen der Arme und Beine oder Sprach-, Schluck- und Sehstörungen ein Alarmzeichen sind. "Auch Patienten mit transitorisch ischämischen Attacken (TIA) gehören auf eine Stroke Unit", forderte Diener.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

Konsequente Strategie gegen Diabetes

Angesichts der epidemischen Zunahme von Diabetes-Patienten in Deutschland, muss die nächste Bundesregierung unbedingt den Nationalen Diabetesplan umsetzen. mehr »