Ärzte Zeitung, 07.04.2006

Schwer zu erkennen: Schlaganfall bei Kindern

Einseitiges Greifen und Strampeln bei Babys ist Alarmzeichen / Bei Kleinkindern kann Ataxie auffallen

NEU-ISENBURG (nsi). 5,6 Stunden vergehen durchschnittlich zwischen den ersten Symptomen eines Schlaganfalls bei Kindern und der stationären Aufnahme. Und im Mittel dauert es 23 Stunden bis zum Beginn einer Schlaganfall-Therapie.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die Dr. Rebecca Ichord vom Children’s Hospital in Philadelphia, Pennsylvania, bei der International Stroke Conference in Kissimmee, Florida, vorgestellt hat. Die Patienten waren zwischen zwei und 17 Jahren alt.

"In Deutschland ist die Situation ähnlich", sagte Professor Ulrike Nowak-Göttl von der Kinderklinik der Universität Münster zur "Ärzte Zeitung". Das bei Erwachsenen mit Schlaganfall kritische Zeitfenster von drei Stunden für die Lysetherapie ist für die meisten Kinder nicht relevant: "Bei Kindern mit ischämischem Insult ist die Thrombolyse unseres Erachtens nur sehr selten indiziert, das Blutungsrisiko ist viel zu hoch", so Nowak-Göttl.

Bei Kindern ist ein Hirnschlag schwieriger zu erkennen als bei Erwachsenen: Einseitiges Greifen und Strampeln bei Säuglingen wird oft als frühe Dominanz einer Gehirnhälfte fehlinterpretiert. Bei Kleinkindern werden typische Bewegungsstörungen wie Hemiplegie oder ataktischer Gang (bei 40 bis 60 Prozent der Betroffenen) oft fehlgedeutet, etwa als Sturzfolge.

Dabei ist ein solcher Sturz Folge des Schlaganfalls. Schwindel und Kopfschmerzen sind ebenfalls Frühwarnzeichen (bei 20 bis 40 Prozent), auch wenn sie nicht heftig sind.

Lesen Sie dazu auch:
Apoplex - wer denkt daran bei Babys, die anders strampeln als sonst?

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