Ärzte Zeitung online, 02.12.2008

Stammzellen im Teebeutel - Neue Therapie bei Schlaganfällen

HANNOVER (dpa). Neurochirurgen in Hannover möchten Schlaganfall-Patienten künftig mit Stammzellen helfen. Die genetisch veränderten Zellen werden in einer Art Teebeutel in das geschädigte Gehirn transplantiert und sollen dort entzündungshemmend wirken. Ein Patient wurde bereits erfolgreich operiert.

Der Neurochirurg Privatdozent Amir Samii, stellvertretender Direktor des INI, prüft die Op-Narbe am Kopf von Walter Bast. Der Patient ist der erste, der nach einer Hirnblutung mit der neuen Stammzell-Therapie behandelt worden ist.

Foto: dpa Bildfunk

Der Leiter der Studie am International Neuroscience Institute (INI) in Hannover, Professor Thomas Brinker, sprach am Dienstag von einer weltweit neuen Behandlungsmethode und einer Art "Arzneimittel-Fabrik im Kopf". Ein erster Schlaganfall-Patient mit einer Hirnblutung, der Lähmungen im Gesicht und Sprachstörungen hatte, ist erfolgreich operiert. Die Wirksamkeit der neuen Stammzell-Behandlung muss nun aber erst eine klinische Studie mit 20 Patienten zeigen.   

Die verwendeten Stammzellen, die aus dem Knochenmark eines fremden, gesunden Spenders stammen, wurden in einer Zellbank milliardenfach gezüchtet. Danach werden sie verkapselt und bis zur Verwendung tiefgefroren. Nach einem Schlaganfall mit einer Hirnblutung werden 0,6 Millimeter große Stammzell-Kügelchen dann mithilfe eines kleinen Säckchens - eine Art Teebeutel - direkt in das Hirngewebe eingepflanzt.

DiesesTeebeutel-ähnliche Säckchen enthält 500 Alginatkapseln mit Stammzellen und hat eine Kantenlänge von 1,5 cm.

Foto: dpa Bildfunk

Die zuvor gentechnisch veränderten, adulten Stammzellen setzen laut Brinker Eiweißstoffe frei, die die Nervenzellen schützen und die körpereigene Regeneration anregen. Zentral für die neue Behandlungsform ist es, dass die verkapselten Stammzellen in dem 1,5 mal 1,5 Zentimeter großen Säckchen nach zwei Wochen wieder aus der Blutungshöhle entfernt werden. Damit sollen mögliche Langzeitfolgen oder eine Abstoßung vermieden werden.

Der Patient - der 49 Jahre alte Walter Bast aus Bremen - wurde gleich einige Tage nach der Hirnblutung von dem Neurochirurgen Amir Samii in der hannoverschen Spezialklinik INI operiert. Dort wurde die "Teebeutelchen"-Methode entwickelt. Die Therapie wurde nach Angaben der Mediziner erstmals vom Tierversuch in die klinische Phase gebracht. Der erste behandelte Patient zeigt sich am Dienstag in Hannover froh über den Eingriff: "Es ging mir so schlecht, aber jetzt fühle ich mich super."

Allerdings können die Mediziner zum derzeitigen Stand ihrer Forschung noch nicht sagen, ob es speziell die Stammzell-Therapie war, die zum Behandlungserfolg bei ihrem Patienten geführt hat, oder die Operation an sich. Nun sollen zunächst weitere Patienten mit einer Hirnblutung nach einem Schlaganfall an der Studie teilnehmen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Muster-Weiterbildung in trockenen Tüchern

Der Vorstand der Bundesärztekammer hat einstimmig die Gesamt-Novelle der (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) für Ärzte beschlossen und veröffentlicht. mehr »

Zehn Regeln für die Rheuma-Therapie

In der medikamentösen Behandlung von älteren Rheuma-Patienten gilt es für Ärzte, einiges zu beachten. Rheumatologen haben zehn Empfehlungen verfasst. mehr »

Es gibt deutlich mehr ausbildende Ärzte

Vor drei Jahren wurde die Förderung der ärztlichen Weiterbildung verbessert. Das zeigt offenbar Wirkung: In deutlich mehr Praxen werden nun Ärzte ausgebildet. mehr »