Ärzte Zeitung online, 06.02.2009

Fehlendes Bluteiweiß schützt vor Schlaganfall

WÜRZBURG (eb). Wird bei Mäusen ein bestimmtes Blutweiß ausgeschaltet, sind sie vor Schlaganfall geschützt. Das haben deutsche und belgische Wissenschaftler herausgefunden. Nun suchen sie diesen oder ähnliche Faktoren bei Menschen.

In ihren Versuchen stellten sie fest, dass Mäuse kleinere Schlaganfälle erlitten, wenn sie einen Defekt auf dem Gen für den von-Willebrand-Faktor hatten. Außerdem entwickelten diese Mäuse bei Arterienverschlüssen im Gehirn weniger neurologische Ausfallerscheinungen, wie zum Beispiel Lähmungen.

Der von-Willebrand-Faktor wird unter anderem von Blutgefäßen gebildet. Er zirkuliert in der Blutbahn und bildet bei Verletzungen eine Art Netz zwischen den Blutplättchen und der Gefäßwand. Dadurch trägt er wesentlich zur Blutstillung bei. Bei Schlaganfällen führt er jedoch offensichtlich zu einer überschießenden Bildung von Blutpfropfen, die die Gefäße verschließen. Menschen mit einem schweren erblichen Mangel dieses Faktors neigen zum Teil zu vermehrten Blutungen.

"Überraschenderweise fand sich jedoch in den von uns untersuchten Mäusen ohne diesen Faktor keine erhöhte Blutungsgefahr nach Schlaganfällen", berichtet Dr. Christoph Kleinschnitz von der Neurologischen Uniklinik Würzburg. Bereits 2007 konnten die Forscher zeigen, dass die Mäuse vor Schlaganfällen geschützt sind, bei denen das Eiweiß GPIb blockiert ist, das auf Blutplättchen vorkommt. Da der von-Willebrand-Faktor der wichtigste Bindungspartner von GPIb ist, unterstreichen die aktuellen Ergebnisse die besondere Bedeutung dieses Aktivierungswegs für die Schlaganfallentstehung.

Die Wissenschaftler wollen nun prüfen, ob sich die Ergebnisse langfristig auch auf Menschen übertragen lassen. Bis es soweit ist, seien jedoch noch etliche Untersuchungen notwendig, so der Neurologe Dr. Guido Stoll.

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