Ärzte Zeitung online, 22.09.2009

Aufklärungskampagne zu Schlaganfall zeigt Wirkung - bei Frauen

BERLIN (eb). Schriftliche Informationsmaterialen über die Schlaganfallsymptome und die Dringlichkeit der Behandlung tragen dazu bei, dass Patientinnen wesentlich rascher eine Klinik aufsuchen, als dies ohne Aufklärung der Fall ist. Bei Männern zeigte sich hingegen keine signifikante Verbesserung. Dies belegen Ergebnisse einer Studie des Kompetenznetzes Schlaganfall, die in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts "Archives of Internal Medicine" erschienen sind.

Je schneller ein Schlaganfall behandelt wird, desto größer ist die Chance, Folgeschäden wie Lähmungen und Sprachstörungen zu verringern oder gar zu vermeiden. Trotzdem kommen noch immer viele Patienten zu spät ins Krankenhaus, da sie die Symptome falsch interpretieren und/oder keine adäquate medizinische Hilfe aufsuchen. Genau an diesem Punkt setzen Aufklärungskampagnen an.

Ob und wie effektiv speziell schriftliche Interventionen die Zeit von Symptombeginn bis zum Eintreffen ins Krankenhaus verkürzen, wurde nun in einer Studie des Kompetenznetzes Schlaganfall unter der Leitung von Professor Jacqueline Müller-Nordhorn von der Charité Berlin untersucht (Arch Intern Med 2009, 169(16), 1484).

Für die Studie erhielten etwa 75 000 zufällig ausgewählte Berliner Bürger im Alter von über 50 Jahren Informationsmaterial über die Symptome des Schlaganfalls wie plötzlich auftretende halbseitige Lähmungen, Gefühls-, Sprach- und Sehstörungen. Außerdem wiesen die Forscher ausdrücklich darauf hin, bei Auftreten eines dieser Warnsignale sofort zu handeln und den Rettungsdienst 112 zu alarmieren. Das Informationsmaterial wurde zwischen Februar und April 2004 verschickt und bestand aus Aufklärungsbriefen, Lesezeichen und Aufklebern. Eine vergleichbare Kontrollgruppe erhielt keine derartigen Informationen. Zwischen April 2004 und Dezember 2005 registrierten die drei an der Studie beteiligten Berliner Krankenhäuser bei 647 Patienten der Interventionsgruppe und bei 741 Patienten in der Kontrollgruppe einen Schlaganfall.

Die Gesundheitsaufklärung erzielte bei den Frauen einen deutlichen Effekt: Aufgeklärte Schlaganfallpatientinnen kamen wesentlich schneller ins Krankenhaus als jene Frauen, die zuvor kein Informationsmaterial erhalten hatten. Die Zeit zwischen dem Einsetzen der Symptome bis zur Einlieferung ins Krankenhaus verkürzte sich bei den Frauen um 27 Prozent. Bei den angeschriebenen Männern hingegen zeigte die Intervention keinen Effekt.

"Frauen scheinen für eine schriftliche Informationsvermittlung empfänglicher zu sein als Männer", so Müller-Nordhorn. Die Gründe hierfür sind nicht ganz klar. In früheren Studien konnte nachgewiesen werden, dass Frauen im Allgemeinen besser über Risikofaktoren und Anzeichen des Schlaganfalls informiert sind als Männer. Bisher konnte aber nicht gezeigt werden, dass dieses Wissen auch in adäquates Handeln umgesetzt wird.

Zum Abstract der Originalarbeit "Population-based intervention to reduce prehospital delays in patients with cerebrovascular events"

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