Ärzte Zeitung online, 03.03.2010

Der Schlaganfall schlägt immer früher zu

SAN ANTONIO (ob). Bei älteren Menschen ist die Zahl der Schlaganfälle tendenziell rückläufig, so das Ergebnis einer aktuellen US-Studie. Auf die gute Nachricht folgt aber prompt die schlechte: Bei Menschen jüngeren Alters ist eine Zunahme von Hirninsulten zu beobachten.

Der Schlaganfall schlägt immer früher zu

Immer jüngere Menschen sind von Schlaganfall betroffen. © Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

Eine Gruppe von US-Forschern um Dr. Brett Kissella hat jetzt die Daten von Schlaganfall-Patienten an 17 Kliniken im Großraum Cincinnati unter die Lupe genommen. In dieser Region leben etwa 1,3 Millionen Menschen, die als repräsentativ für die Einwohnerschaft der USA gelten können. Verglichen wurde in der Studie das durchschnittliche Lebensalter der Patienten bei Auftreten eines ersten Schlaganfalls für den Zeitraum 1993/1994 sowie für das Jahr 2005.

Mitte der 90er Jahre waren mit Schlaganfall in die Klinik eingewiesene Patienten im Schnitt 71,3 Jahre alt. Etwa zehn Jahre später trat dieses Ereignis im Leben der Betroffenen schon drei Jahre früher auf: 2005 betrug das Durchschnittsalter der Patienten 68,4 Jahre, berichtete Kissella beim Kongress der amerikanischen Schlaganfall-Gesellschaft ASA in San Antonio.

Ein Vergleich der nach Alter aufschlüsselten Daten ergab, dass Schlaganfälle in der Gruppe der über 65-jährigen zwischen beiden Zeitperioden abgenommen hatten. Dagegen gab es in der Altersgruppe der unter 45-jährigen einen gegenläufigen Trend: Waren Mitte der 90er Jahre noch 4,5 Prozent aller erfassten Schlaganfall-Patienten jünger als 45 Jahre, lag ihr Anteil 2005 schon bei 7,3 Prozent.

Die Autoren sind sich sicher, dass dieser Trend eine Entwicklung widerspiegelt, die nicht auf den Großraum Cincinnati beschränkt ist. Sie vermuten, dass es die steigende Prävalenz von Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes und Hypertonie speziell in den jüngeren Bevölkerungsschichten ist, die hier ihren klinischen Niederschlag findet. Dadurch, so ihre Befürchtung, könnten die Erfolge bei der Bekämpfung anderer Risikofaktoren wie Rauchen womöglich wieder zunichtegemacht werden.

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