Ärzte Zeitung online, 10.03.2010

Beim Schlaganfall spielen auch Immunzellen eine entscheidende Rolle

WÜRZBURG (eb). Schlaganfälle verlaufen harmloser, wenn im Blut bestimmte Immunzellen fehlen. Diesen Mechanismus haben Forscher der Universität Würzburg entdeckt.

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Die roten Flächen mit gesundem Gehirngewebe zeigen es: Mäuse ohne T-Zellen (Rag1-/-) entwickeln kleinere Schlaganfälle als normale Mäuse (WT). Versorgt man Mäuse, denen die T-Zellen fehlen, von außen mit T-Zellen, dann werden beim Schlaganfall wieder größere Areale zerstört (zweite Reihe von rechts). Keinen Einfluss auf die Schlaganfallgröße haben B-Zellen (Rag1-/-+ B cells) und genetisch veränderte T-Zell-Rezeptoren (2C/Rag2). © Christoph Kleinschnitz

Wissenschaftler der Neurologischen Universitätsklinik zusammen mit dem Rudolf-Virchow-Zentrum fanden heraus, dass auch die T-Zellen des Immunsystems beim Schlaganfall eine Rolle spielen. Die Forscher entdeckten, dass Mäuse, denen wegen eines genetischen Defekts T-Zellen fehlen, kleinere Schlaganfälle als normale Artgenossen bekommen. Außerdem entwickeln sie nach dem Schlaganfall weniger neurologische Ausfallerscheinungen wie zum Beispiel Lähmungen.

T-Zellen haben also einen negativen Effekt auf den Verlauf von Schlaganfällen. Die Schadwirkung gehe auf zwei Untergruppen der Immunzellen zurück, auf die sogenannten CD4- und CD8-positiven T-Helferzellen (Blood 2010, online vorab).

Wie aber verstärken die T-Zellen einen Schlaganfall? Zwei mögliche Mechanismen konnten die Wissenschaftler in ihren Experimenten ausschließen. Zum einen fördern die T-Zellen nicht die Verklumpung der Blutplättchen untereinander, also auch nicht die Bildung von Blutpfropfen. "Zum anderen befeuern sie den Vorgang auch nicht in Form einer spezifischen Immunreaktion", so Arbeitsgruppenleiter Professor Heinz Wiendl. Weitere Forschungen sollen nun klären, wie die T-Zellen ihre schädigende Wirkung ausüben.

Die Forscher hoffen, dass ihre Arbeiten die Schlaganfall-Therapie beim Menschen verbessern helfen. Falls die Befunde auf den Menschen übertragbar sind, könnten sich neue Ansätze durch eine gezielte Beeinflussung der T-Zellen ergeben. Denkbar ist es zum Beispiel, in der Frühphase eines Schlaganfalls die schädliche Fraktion der T-Zellen vorübergehend auszuschalten und so die Ausfallerscheinungen zu lindern.

Zum Abstract der Originalpublikation "Early detrimental T cell effects in experimental cerebral ischemia are neither related to adaptive immunity nor thrombus formation"

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