Ärzte Zeitung online, 18.03.2010

Klinikbehandlung beim Schlaganfall - kürzerer Aufenthalt, bessere Ergebnisse

BERLIN (eb). Schlaganfall-Patienten können heute früher die Klinik verlassen als noch vor einigen Jahren. Auch der Gesundheitszustand der Patienten bei der Entlassung oder Verlegung in eine Rehaklinik hat sich verbessert. Das hat die Auswertung aller Schlaganfallbehandlungen in Hessen von 2003 bis 2006 ergeben.

Befürchtungen, dass durch die Vergütung über Fallpauschalen Patienten in schlechterem Zustand entlassen werden, hätten sich damit nicht bestätigt, schreiben die Autoren der Studie. Die höhere Behandlungsqualität führt die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) auf die zunehmende Etablierung von speziellen Schlaganfallstationen, den Stroke Units, zurück (Nervenarzt 81, 2010, 218).

Seit 2004 erhalten Kliniken nicht mehr für jeden Patienten einen Tagessatz, sondern eine Fallpauschale für jede abgeschlossene Behandlung. Diese werden als "diagnosis related groups" (DRG) bezeichnet. "Die DRG schaffen unter anderem einen wirtschaftlichen Anreiz für möglichst kurze Behandlungszeiten. Deshalb bestand die Befürchtung, dass Patienten übereilt entlassen werden", so Professor Martin Grond, Vorstandsmitglied der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft.

Doch das Gegenteil ist der Fall, wie jetzt die Auswertung aller Schlaganfallbehandlungen in Hessen im Zeitraum von 2003 bis 2006 ergab: Die durchschnittliche Behandlungsdauer ist zwar tatsächlich von 12,2 auf 10,4 Tage zurückgegangen. Gleichzeitig stieg jedoch der Anteil der Patienten, die mit einem guten Behandlungsergebnis entlassen werden konnten. Der Anteil der Patienten mit schwerer Behinderung dagegen sank - und zwar unabhängig von der Schwere der Schlaganfallsymptome bei der Aufnahme.

"Die aktuelle Analyse zeigt, dass sich die Behandlungsqualität deutlich verbessert hat. Grund hierfür ist die zunehmende Versorgung der Patienten in Stroke Units", erklärt Privatdozent Marek Jauß, Mitautor der Studie.

Wurden in Hessen 2003 erst 30 Prozent der Schlaganfall-Patienten in Stroke Units behandelt, so waren es 2006 bereits 50 Prozent. Einen weiteren Grund für die Zunahme der Behandlungsqualität sieht der Experte im vermehrten Einsatz der Lysetherapie.

Zum Abstract der Originalpublikation "Abrechnung mittels Fallpauschalen beim Hirninfarkt. Führte dies zu Entlassungen in klinisch schlechterem Zustand?"

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So hoch ist die Lebenserwartung in der Welt

Wer als Junge in Deutschland geboren wird, darf sich im Schnitt auf 78 Jahre freuen. Wie hoch ist die Lebenserwartung in anderen Ländern der Welt? Wir geben die Antwort. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »

Diabetes-Strategie zum Greifen nah

Der gezielte Kampf gegen Diabetes könnte schon bald konkrete Formen annehmen. Zum heutigen Welt-Diabetestag zeichnet sich zwischen Union und SPD ein Kompromiss für eine nationale Diabetes-Strategie ab. mehr »