Ärzte Zeitung online, 05.11.2010

Schlaganfall: Natrium-Nachweis liefert bessere Bilder vom Gehirn

MANNHEIM (eb). Wie stark das Gewebe im Gehirn nach einem Schlaganfall geschädigt ist, lässt sich mit einer neuen MRT-Methode nachweisen. Damit gewonnene Informationen auf der Basis der Natriummenge in Zellen könnten künftig helfen, den Krankheitsverlauf früher beurteilen zu können.

Natriumnachweis erlaubt bessere Bilder vom Gehirn nach einem Schlaganfall

Natrium-Konzentration zu verschiedenen Zeitpunkten nach einem Schlaganfall: Fünf Schichten aus dem Gehirn einer Ratte, gemessen mit einem hochauflösenden 7-Tesla-MRT.

© Unimedizin Mannheim

Entwickelt hat die Methode der Physiker Dr. Friedrich Wetterling am Lehrstuhl für Computerunterstützte Klinische Medizin der Medizinischen Fakultät Mannheim. Eine Studie mit dieser Methode war Anlass, Wetterling mit dem Siemens Nachwuchspreis auszuzeichnen.

Der mit 750 Euro dotierte Preis ist bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Physik verliehen worden. Bei der Methode handelt es sich um die quantitative Natrium Magnetresonanztomografie (qNa-MRT).

Mit der MRT lassen sich bekanntlich die Struktur und die Funktion der Gewebe und Organe darstellen. Sie ist eine nicht-invasive Technik in der medizinischen Diagnostik, die den Körper nicht durch Strahlung belastet.

Natriumionen in Zellen werden erfasst

In der konventionellen MRT resultiert das Bild aus den Protonen der körpereigenen Wassermoleküle. Seit einigen Jahren ist es aber auch möglich, andere körpereigene Atomkerne zur Anfertigung von MRT-Bildern zu verwenden. Die Na-MRT erlaubt eine sowohl räumlich als auch zeitlich quantifizierbare Erfassung der Natriumionen-Konzentration in der Zelle.

Natriumionen sind wichtig für die Reizleitung in Nerven und Muskeln. Über die Bestimmung der Natriumionenkonzentration in den Zellen kann noch lebensfähiges von bereits geschädigtem Gewebe unterschieden werden.

Das Verfahren ist daher ein wichtiger Schritt hin zu einer schonenden Methode, durch die sich die Vitalität von Zellen nicht-invasiv und ohne Strahlenbelastung darstellen lässt.

Der ischämische Schlaganfall zählt mittlerweile zu der am häufigsten auftretenden Gefäßerkrankung in Deutschland. Wetterling ist es in Zusammenarbeit mit einer irischen Forschergruppe des Trinity College in Dublin und der Bruker BioSpin GmbH in Etlingen erstmals gelungen, die Gewebenatrium-Konzentration in der Frühphase des Schlaganfalls mit Hilfe der MRT zu messen.

Die neue Methode soll in Zukunft eine individuell angepasste Therapie unabhängig vom Zeitpunkt des Schlaganfalls erlauben. In Zusammenarbeit mit der Klinik für Neuroradiologie und der Neurologischen Klinik soll dieses neue Diagnoseverfahren, das in Versuchen mit Ratten entwickelt wurde, für die Anwendung bei Patienten weiterentwickelt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte. mehr »

Patienten sollen für Infos zahlen

Patienten und Angehörige sind bei beratungsintensiven Erkrankungen häufig hilflos. Viele Akteure versuchen, neutrale Angebote im Internet bereitzustellen. Ein Biologe will nun Beteiligte auf einer Plattform zusammenführen. mehr »