Ärzte Zeitung, 17.01.2011

SSRI begünstigt Erholung nach Schlaganfall

Wird die Reha nach Apoplexie bald um die Medikation mit Fluoxetin ergänzt? Offenbar fördert es die Motorik von Armen und Beinen sowie die Selbstständigkeit.

TOULOUSE (ars). Wirkt ein Antidepressivum gegen Hemiplegie und Hemiparese nach Schlaganfall? Das ist jetzt in einer Studie geprüft worden, zu deren Beginn die Patienten mäßig bis stark behindert waren.

 Auf einer Skala, mit der die Motorik beurteilt wird (Fugl-Meyer-Motorik-Skala), erreichten sie höchstens 55 Punkte. Gesunde kommen bei diesem Test für die oberen und unteren Extremitäten zusammen 100 Punkte, weniger als 50 bedeuten schwere motorische Defizite.

Nach drei Monaten hatte sich der Wert bei den Patienten mit täglich 20 mg Fluoxetin im Durchschnitt um 34 Punkte erhöht, mit Placebo um 24,3 Punkte - ein signifikanter Unterschied. Dabei waren die motorischen Fähigkeiten sowohl der Arme als auch der Beine besser geworden. Zudem konnten die Patienten mit Fluoxetin Alltagsverrichtungen signifikant selbstständiger bewältigen (The Lancet Neurology online).

Die Forscher um Professor François Chollet aus Toulouse hatten für ihre Studie 118 Patienten zwischen 18 und 85 Jahren aus neun stroke units in Frankreich ausgewählt, wobei Depressionen ein Ausschlusskriterium waren. Je zur Hälfte erhielten die Teilnehmer Verum oder Placebo. Diese Therapie startete fünf bis zehn Tage nach dem Schlaganfall und erfolgte parallel zur Physiotherapie.

Ausgangspunkt der Studie waren kleinere klinische Versuche mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, die günstig verliefen. Die Autoren weisen auf einen weiteren Vorteil des Fluoxetins hin: Bis zum Tag 90 waren in der Placebogruppe 29 Prozent der Teilnehmer an Depressionen erkrankt, in der Verumgruppe 7 Prozent.

Allgemein treten im ersten Jahr nach dem Schlaganfall bei 20 bis 50 Prozent der Patienten Post-Stroke-Depressionen auf.

Fazit der Forscher: Apoplexie-Patienten profitieren von Arzneimitteln, die über Neurotransmitter die spontane Plastizität des Gehirns steigern.

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