Ärzte Zeitung online, 04.01.2012

Magnetstimulation hilft nach Schlaganfall

Transkranielle Magnetstimulation ist auch ein Ansatz zur Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten mit visuellem Neglect: Zehn Sitzungen über zwei Wochen verteilt bessern die Wahrnehmung auf der betroffenen Seite.

Magnetstimulation gegen visuellen Neglect nach Schlaganfall

So dann besser doch nicht: Eine richtig durchgeführte TMS kann allerdings nach einem Schlaganfall helfen.

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ROM (mut). Die Rehabilitation von Schlaganfallpatienten mit visuellem, meist linksseitigem Neglect ist nach wie vor ein großes Problem.

Das Aufmerksamkeitstraining mit Computerprogrammen oder Papier und Bleistift ist oft wenig befriedigend, der Neglect beeinträchtigt zudem das Training der motorischen Funktionen.

Neurologen um Dr. Giacomo Koch aus Rom hatten nun mit einem neuen Ansatz mehr Erfolg. Durch eine gezielte Hemmung überaktiver Schaltkreise konnten sie die linksseitige Wahrnehmung der Patienten wieder deutlich verbessern (Neurology 2011; online 14. Dezember).

Die italienischen Ärzte gingen dabei von der Theorie aus, dass der linksseitige Neglect nach einem rechtsseitigen Schlaganfall entsteht, weil in der linken Hemisphäre Schaltkreise im hinteren Parietallappen überaktiv werden.

Diese Überaktivität wiederum hemmt die Steuerung der Aufmerksamkeit in der rechten Heimsphäre. Eine Hemmung der linksseitigen Überaktivität sollte demnach die Wahrnehmung wieder ins Lot bringen.

Magnetfeldtherapie mit Scheintherapie verglichen

In ihrer Studie behandelte das Team von Koch 20 Patienten mit linksseitigem Neglect. Zehn erhielten eine linksseitige hemmende Magnetfeldtherapie (kontinuierliche Theta-Burst-Stimulation, cTBS), die übrigen zehn eine Scheintherapie mit geringen, biologisch unwirksamen Feldstärken.

Alle nahmen zudem am üblichen Aufmerksamkeitstraining teil. Behandelt wurde zweimal täglich werktags über zwei Wochen hinweg, den Erfolg maßen die Ärzte anhand der Skala BIT (Behavioral Inattention Test).

Das Ergebnis: Zwei Wochen nach Therapiebeginn war der BIT-Wert mit der Scheintherapie nur von 170 auf 175 Punkte gestiegen, mit der echten Stimulation dagegen von 170 auf etwa 190 Punkte.

Die Magnetfeldtherapie war damit deutlich besser als die alleinige Standardtherapie mit Aufmerksamkeitstraining.

Übererregbarkeit wurde verringert

Zwei Wochen nach Therapieende hatte sich der BIT-Wert in der Stimulationsgruppe weiter auf 195 Punkte verbessert, in der Kontrollgruppe war er praktisch unverändert geblieben.

Insgesamt hatte sich der BIT-Wert mit der Stimulation nach vier Wochen um über 20 Prozent erhöht. Anhand von evozierten Potenzialen konnten die Neurologen weiter feststellen, dass die Übererregbarkeit in der linken Hemisphäre in der Stimulationsgruppe deutlich zurückgegangen war, nicht aber in der Kontrollgruppe.

Auch eine durchschnittliche Verbesserung um 20 Prozent, wie sie in der Studie erzielt wurde, hilft den Patienten noch nicht dabei, im Alltag viel selbstständiger zu werden, geben die Autoren der Studie zu bedenken.

Allerdings war der Effekt bei den am stärksten betroffenen Patienten auch am intensivsten ausgeprägt, sodass die Magnetstimulation gerade bei Patienten mit schwerem visuellen Neglect eine nützliche Therapie sein könnte.

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