Ärzte Zeitung, 29.05.2012

Vitamin-K-Antagonisten: Heute besser als früher

Die Wirksamkeit von Vitamin-K-Antagonisten bei Vorhofflimmern wird womöglich unterschätzt. Grund sind veraltete Studiendaten.

Vitamin-K-Antagonisten: Heute besser als früher

Marcumar: Neue Studiendaten zugunsten VKA.

© ARCO IMAGES / imago

CLEVELAND (BS). Im Falle einer Prophylaxe mit dem Vitamin-K-Antagonisten (VKA) Warfarin liegt die Rate der Schlaganfälle und systemischen Embolien pro Jahr bei 1,66 Prozent.

Zu dieser Zahl gelangten US-Wissenschaftler aus Ohio auf der Grundlage ausschließlich neuerer Studien aus den Jahren 2001 bis 2011 (acht Studien mit 32.053 Teilnehmern).

In einer Metaanalyse von älteren Studien aus den Jahren 1989 bis 1993 hatte die jährliche Schlaganfall- und Embolierate noch bei 2,09 Prozent gelegen - ein signifikanter Unterschied (Arch Intern Med 2012; 172(8): 623-631).

Die Differenz erklären die Wissenschaftler damit, dass die Patienten der neueren Studien häufiger die angestrebte Gerinnungseinstellung erreichten. Zwischen 55 und 68 Prozent der Zeit hatten sie INR-Werte im Zielbereich von 2 - 3.

In sieben der acht Studien lagen die INR-Werte bei mehr als 60 Prozent der Messungen im therapeutischen Bereich. In der älteren Metaanalyse war das nur bei zwei von sechs Studien der Fall gewesen.

Schwere Blutungen wurden in den neueren Studien pro Jahr bei  1,40 - 3,40 Prozent der Warfarin-Patienten registriert; 0,33 - 0,80 Prozent der Patienten erlitten intrakranielle Hämorrhagien.

Die Rate aller unerwünschten Ereignisse, also die Summe aus schweren Gefäßkomplikationen, Tod und schweren Blutungen, betrug je nach Studie 3,00 - 7,64 Prozent pro Jahr.

Bestimmte Subgruppen von Patienten hatten trotz Warfarin ein überdurchschnittlich hohes Risiko für Schlaganfall und Nicht-ZNS-Embolien. Dazu gehörten Patienten ab 75 Jahren (jährliche Ereignisrate 2,27 Prozent), Frauen (2,12 Prozent) und Patienten mit Schlaganfall in der Anamnese (2,64 Prozent).

Erwartungsgemäß stieg die jährliche Schlaganfallrate auch mit der Punktzahl, die die Patienten im CHADS2-Score erreichten: Sie betrug 0,89 Prozent bei einem Punkt, 1,43 Prozent bei zwei und 2,50 Prozent bei drei oder mehr Punkten, jeweils unter Warfarin.

"Der Einsatz von Warfarin zur Schlaganfallprävention bei nicht klappenbedingtem Vorhofflimmern geht mit einem niedrigen Risiko für Schlaganfall und systemische Embolien einher", lautet die Botschaft der Studienautoren.

Das sei wichtig zu wissen, weil trotz zahlreicher Vorzüge der neuen Antikoagulanzien (direkte Thrombin- und selektive Faktor-Xa-Hemmer) viele Patienten mit Vorhofflimmern schon aus Kostengründen weiter mit VKA behandelt werden.

Diese Einschätzung teilen auch die Autoren des begleitenden Kommentars: Zwar sei mit den neuen Substanzen eine vielversprechende Ära in der Schlaganfallvorbeugung bei Vorhofflimmern angebrochen.

"Doch auch die Warfarin-Therapie hat sich weiterentwickelt. Bei vielen Vorhofflimmern-Patienten erlaubt sie eine sichere, wirksame und preiswerte Antikoagulation."

Weltweit ist Warfarin der am häufigsten verordnete VKA. In Deutschland bevorzugt man dagegen seit langem das unter dem Warenzeichen Marcumar® bekannte Phenprocoumon.

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