Ärzte Zeitung, 19.08.2013

Schlaganfall-Therapie

Lyse duldet keinen Aufschub

Time is brain - das bestätigt eine große Registeranalyse. Die Prognose bei schwerem Schlaganfall und früher Lyse ist sogar oft besser als bei einem leichteren Ereignis und späterer rt-PA-Therapie.

Von Thomas Müller

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Lyse schon im RTW: Time ist Brain beim Schlaganfall.

© Mathias Ernert

LOS ANGELES. Je früher bei Schlaganfall die Lyse mit rt-PA beginnt, umso größer ist der Nutzen und umso geringer sind die Risiken. Das bestätigt eine US-Registerstudie mit 58.000 Patienten aus knapp 1400 Klinken (JAMA 2013; 309: 2480).

Neurologen um Dr. Jeffrey Saver von der Universität in Los Angeles haben ermittelt, in welchem Ausmaß der Lyse-Zeitpunkt die Prognose beeinflusst. Dass eine frühe Lyse Vorteile bringt, ist durch eine Reihe von klinischen Studien bereits klar belegt worden.

Sie teilten die Patienten in drei Gruppen ein: solche mit früher Lyse binnen eineinhalb Stunden (9 Prozent), solche im mittleren Zeitfenster von eineinhalb bis drei Stunden (77 Prozent) sowie mit später Lyse drei bis viereinhalb Stunden nach Symptombeginn (14 Prozent).

Patienten mit früher Lyse hatten beim Eintreffen in der Klinik schwerere Symptome als die der anderen Gruppen (NIHSS-Wert von 12 versus 11 und 9 Punkte). Dennoch war der Zustand der früh lysierten Patienten bei Entlassung deutlich besser, auch die Sterberate in der Klinik war geringer.

Wurden Faktoren wie Alter und Geschlecht berücksichtigt, dann starben früh lysierte Patienten sogar um ein Viertel seltener als spät behandelte, die Rate schwerer Hirnblutungen war um 34 Prozent geringer.

Jede Viertelstunde, die die Lyse früher beginnt, senkt die Sterberate um etwa 4 Prozent im Vergleich zur späten Lyse.

In ähnlicher Größenordnung verbesserte sich die Prognose: Das Chancenverhältnis (odds ratio), die Klinik selbstständig gehend zu verlassen, war mit früher Lyse um 51 Prozent höher als mit später Lyse, und die Chance, aus der Klinik direkt nach Hause statt in eine Reha entlassen zu werden, war mit früher Lyse um 33 Prozent erhöht.

Die Unterschiede waren mit einer Fehlerwahrscheinlichkeit von weniger als 1 Prozent alle hochsignifikant.

Übersetzt in absolute Zahlen, welche die Autoren nur grafisch zeigten, sehen die adjustierten Unterschiede allerdings etwas weniger dramatisch aus: So lag die Sterberate mit früher Lyse bei etwa 10 Prozent, mit später Lyse bei 12 Prozent.

Mit früher Lyse waren bei der Klinikentlassung um die 27 Prozent der Patienten ohne fremde Hilfe gehfähig, etwa 19 Prozent waren es mit später Lyse. Mit früher rt-PA-Therapie konnten zudem rund 33 Prozent direkt nach Hause entlassen werden, mit später Lyse nur etwa 26 Prozent.

Die Daten bestätigen, dass bei Schlaganfall keine Zeit zu verlieren ist. Von jeder Viertelstunde, die früher lysiert wird, können die Patienten profitieren, so die Forscher.

[20.08.2013, 21:52:00]
Jan Werner 
Unsinniges Bild ("Lyse schon im RTW: Time ist Brain beim Schlaganfall.")
Im Bild zu sehen ist sicherlich ein Patient mit Herzinfarkt oder Lungenembolie und keiner mit Schlaganfall.

Solange man kein CT an Bord hat, um zwischen hämorrhagischem und ischämischem Schlaganfall unterscheiden zu können, kommt eine präklinische Lyse nicht infrage. zum Beitrag »

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