Ärzte Zeitung, 02.09.2013
 

Kommentar zur Schlaganfallbehandlung

Schnelle Lyse für mehr Hirn

Von Thomas Müller

Bei einem Schlaganfall zählt bekanntlich jede Minute: Je früher die Patienten in die Klinik kommen, umso besser ist die Prognose. Das Haupthindernis für eine frühe Therapie sind zum Großteil die Patienten selbst, die viel zu spät den Notarzt rufen.

Das ist auch der Hauptgrund, weshalb bisher nur ein Bruchteil der Schlaganfallpatienten eine Lysetherapie erhält.

Doch wenn schon den Patienten nicht klar ist, dass in ihrem Hirn eine Uhr zu ticken beginnt, sobald ein wichtiges Gefäß verstopft ist, so sollten wenigstens Ärzte alles tun, um den Thrombus schnellstens zu entfernen. Lange Wartezeiten in der Stroke-Unit sind da sicher nicht hilfreich.

Wie sich die Prozesse in der Klinik optimieren lassen, das haben finnische Ärzte eindrucksvoll gezeigt, indem sie die Zeit von der Einweisung bis zur Lysenadel auf nur 20 Minuten senken konnten - von einer derart schnellen Behandlung können Patienten in vielen deutschen Zentren vermutlich nur träumen.

Die gute Nachricht ist: Der Erfolg mit dem sogenannten Helsinki-Protokoll lässt sich auch in Kliniken anderer Länder reproduzieren.

Vielleicht lohnt es sich ja auch für Stroke-Units in Deutschland, etwas mehr Hirn in die Optimierung ihrer Abläufe zu stecken. Den Hirnen der Patienten könnte das nur gut tun.

Lesen Sie dazu auch:
Schlaganfall: Protokoll reduziert Zeit bis zur Lyse um die Hälfte

[02.09.2013, 10:58:03]
Dr. Brigitte Wodarz-Schleef 
Lysezeit um die Hälfte reduziert
Der entscheidende Satz steht im Kommentar von Herrn Müller:"die Patienten holen viel zu spät den Notarzt"-d.h. die Alarmierung der Rettungsleitstelle erfolgt oft sehr spät,egal ob ohne oder mit Notarzt;häufig wird aber von der Leitstelle der Notarzt erst einmal nicht mitalarmiert,warum...??
Der Artikel erweckt den Eindruck ,als gäbe es bessere Resultate ,wenn nur der Krankenwagen käme; dabei ist die schnelle Anfahrt ins Krankenhaus und das schnelle Bereitstellen des cct "nur" eine Organisationsfrage der Leitstelle und des angefahrenen Krankenhauses.  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

So schützen sich Krebskranke vor Stigmatisierung

Wer an Krebs erkrankt, muss sich auch mit der damit verbundenen Stigmatisierung auseinandersetzen. Forscher raten zu gezielten Gegenstrategien. mehr »

Kassen rücken beim Arztinfo-System von der Steuerung via Ampel ab

Nutzenbewertungen neuer Arzneimittel durch den GBA finden bei Ärzten bisher oft nur wenig Beachtung. Ein Arztinfo-System soll das ändern. Der GKV-Spitzenverband hat dafür jetzt einen Prototypen präsentiert. mehr »

Sport tut den Gelenken gut - auch bei Multimorbidität

Selbst Arthrosepatienten mit schweren Begleiterkrankungen profitieren von regelmäßigem körperlichem Training. Es gibt allerdings eine Voraussetzung. mehr »