Ärzte Zeitung online, 28.11.2017
 

Diät und weniger Salz

Schon mit Ernährungsumstellung lässt sich der Blutdruck stark senken

Ein zu hoher Blutdruck lässt sich auch ohne Medikamente in den Griff bekommen. Wie das gelingen kann, zeigt eine auf dem US-Kardiologen-Kongress präsentierte Studie.

Von Veronika Schlimpert

Schon mit Ernährungsumstellung lässt sich der Blutdruck stark senken

Der Effekt von Diät und Blutdrucksenkung war in der Studie deutlich. Quelle: nach Angaben von Prof. Stephan Juraschek; Grafik: Ärzte Zeitung

ANAHEIM. Gute Nachrichten für Hypertoniker: Eine angemessene Blutdruckkontrolle kann in vielen Fällen durch alleinige Ernährungsumstellung gelingen. Einer aktuellen Studie mit 412 Probanden zufolge sind dafür zwei Maßnahmen notwendig: Man muss den Salzanteil in der Ernährung reduzieren und sich nach den Vorgaben der sog. DASH-Diät ("Dietary Approaches to Stop Hypertension") ernähren.

Beides in Kombination hat in der methodisch vorbildlich durchgeführten Studie bei Menschen mit leicht bis moderat erhöhtem Blutdruck (80 bis 95/120 bis 159 mmHg) zu einer beträchtlichen Blutdrucksenkung geführt, ohne dass hierfür Antihypertensiva vonnöten waren. Die Studienergebnisse wurden beim Kongress der American Heart Association (AHA) präsentiert und im "Journal of the American College of Cardiology" publiziert (JACC 2017; DOI: 10.1016/j.jacc.2017.10.011).

"Die Ergebnisse legen nahe, dass die meisten Erwachsenen mit unkontrolliertem Blutdruck eine bedeutsame Blutdrucksenkung allein durch eine Ernährungsumstellung erreichen können", resümieren die Studienautoren um Professor Stephen Juraschek vom Beth Israel Deaconess Medical Center aus Boston. Die Studie führe vor Augen, wie wichtig Lebensstilmaßnahmen für das Management von Hypertonie-Patienten sind.

Im Gegensatz zu vielen anderen Ernährungsstudien hat die Studie von Juraschek und seinen Kollegen einen wichtigen Qualitätsvorteil: ihr randomisiertes Design. Die Teilnehmer erhielten eine DASH-Diät, die reich an Früchten, Gemüse, Vollkornprodukten, Fisch, Nüssen und Geflügel war und wenig rotes Fleisch, Süßigkeiten und gesüßte Getränke enthielt, oder eine für US-amerikanische Verhältnisse typische Diät.

In beiden Gruppen wurde der Salzgehalt in der Ernährung für drei Wochen entweder auf einem niedrigen, mittleren oder auf einem hohen Niveau gehalten (1,15 g, 2,3 g oder 3,4 g Natrium pro Tag) und in der Folge im Sinne eines crossoverDesigns nach einer fünftägigen Auswaschphase geändert. Die mittlere Natrium-Dosis entspricht dem von der AHA empfohlenen Grenzwert.

Die größten Effekte erzielten die Teilnehmer, die zu Studienbeginn den höchsten Blutdruck hatten. So fiel der systolische Blutdruck bei einem Ausgangswert von ≥150 mmHg im Schnitt um 20 mmHg, wenn die Probanden ihren Kochsalz-Konsum auf 3 g (entspricht 1,15 g Natrium) beschränkten und sich im Sinne der DASH-Diät ernährten.

Bei diesen Patienten habe man durch eine Ernährungsumstellung sogar eine größere Blutdrucksenkung erreicht, als man es in Studien mit den üblichen blutdrucksenkenden Medikamenten sehe, berichtet das Team um Juraschek.

Aber auch bei einem Blutdruck von <130, 130-139 und 140-149 mmHg nahm der Druck nach Umstellung auf eine salzreduzierte Ernährung und DASH-Diät um entsprechend 5,3 mmHg, 7,5 mmHg und 9,7 mmHg ab. Die die durch eine Ernährungsumstellung erreichte Blutdrucksenkung falle bei Menschen mit einer Prähypertonie zwar geringer aus als bei Personen, die bereits einen manifesten Bluthochdruck haben, machen die Studienautoren deutlich. Aber trotz allem sei die Wirkung wohl noch hoch genug, um damit eine Senkung des kardiovaskulären Risikos zu erreichen.

Eine Reduktion des Salzkonsums hatte auch bei den Patienten in der Kontrollgruppe eine signifikante Blutdrucksenkung gebracht (entsprechend dem Ausgangsblutdruck um -3,2, -8,6, -9,0 und -7,0 mmHg). Das Einhalten der DASH-Diät ohne Beschränkung des Salzkonsums ging bei den Studienteilnehmern ebenfalls mit einer Blutdrucksenkung einher, dieser Effekt war allerdings nicht signifikant (-4,5, -4,3, -4,7 und -10,6 mmHg).

[10.12.2017, 23:18:54]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Maria Maurer, warum so echauffiert?
Wie wäre es mit einem Deutsch-Kurs?
Aus|schwei|fung lt. DUDEN:
BEDEUTUNGSÜBERSICHT:
Maßlosigkeit, Übertreibung, besonders im Lebensgenuss; Zügellosigkeit;Exzess
Beispiele: nächtliche Ausschweifungen, Ausschweifungen der Fantasie
SYNONYME ZU AUSSCHWEIFUNG:
Auswüchse, Maßlosigkeit, Orgie, Übersteigerung, Übertreibung, Unersättlichkeit, Unmäßigkeit, Zügellosigkeit; (gehoben) Ausschreitung; (bildungssprachlich) Exzess.

Und mit "Binsenweisheiten" bzw. vorgefassten Meinungen kommen wir wissenschafts-und erkenntnistheoretisch nun wirklich nicht weiter.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »
[10.12.2017, 09:34:49]
Maria Maurer 
@Dr. med. Thomas G. Schätzler
Und? Was wollen Sie mit Ihren Ausschweifungen jetzt sagen?

Dass zu viel Salz schlecht für den Blutdruck ist, weiß jedes Kind. Ebenso ist es eine Binsenweisheit, dass die mediterrane Ernährung sehr gesund ist. Dafür bedarf es keiner Studien mehr. zum Beitrag »
[28.11.2017, 15:38:16]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Zwei Haken hat die Sache!
Auch wenn ÄZ-Autorin Veronika Schlimpert Ausgangspunkt, Ziel und Methodik dieser Crossover-Studie hervorragend referiert: Es ist keine harte Endpunkt-Studie über Morbidität, Co-Morbidität und Mortalität, welche heutzutage Minimalanforderung an jegliche Herz-Kreislauf-Stoffwechsel-Interventionen ist.

Wir sehen nach DASH-Diät u n d Kochsalzrestriktion einen signifikant gesenkten arteriellen Blutdruck, der aber z.B. für die Senkung der kardiovaskulären Mortalität und Morbidität bei einer Versuchsdauer von nur 3 Wochen allenfalls für einen Surrogat-Parameter langt.

Selbst bei der höchst umstrittenen SPRINT-Studie mit dem Vergleich einer "Holz-" versus "Luxusklasse" und unterschiedlichem Interventionsniveau anti-hypertensiver Medikation wurde die Studie erst nach durchschnittlich 3,3 Jahren abgebrochen.

Der 2. Haken ist, dass die DASH-Diät kein Alleinstellungsmerkmal besitzt:
Mercedes Sotos-Prieto et al. haben unter "Association of Changes in Diet Quality with Total and Cause-Specific Mortality"
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1613502
dagegen festgestellt,

- wenn bei Teilnehmern, die sich nach den Regeln des Alternate Healthy Eating Index/AHEI (Ernährungsempfehlung der US-amerikanischen Regierung favorisiert Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Fisch, weißes Fleisch, Soja, Hülsenfrüchte, Tofu, ungesättigte Fettsäuren und ungesüßte Getränke) ernährt haben, das Sterberisiko auf 0,91 (95% Konfidenzintervall (KI) 0,85 – 0,97) gegenüber 100,0 der Vergleichsgruppe mit konventioneller Ernährung sinkt;

- und unter den Dietary Approaches to Stop Hypertension/DASH (speziell für Hypertoniker empfohlenen AHEI Ernährung mit zusätzlicher Verringerung von Kochsalz durch alternative Verwendung von Kräutern und Gewürzen, fettarmer Milch, wenig rotem Fleisch) das Sterberisiko der Teilnehmer auf 0,89 (95% KI 0,84 – 0,95) sinkt;

- und unter der Alternate Mediterranean Diet (AMD) das Sterberisikos gar auf 0,84 (95% KI, 0,78 – 0,91) gegenüber 100,0 der Vergleichsgruppe mit konventioneller Ernährung sinkt [AMD ist eine für Mittelmeerländer typische Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Salat, Fisch und Käse, aber auch Weißbrot, bzw. Pasta und Pizza als Vorspeisen (!), Rotwein, rotem Fleisch, reichlich pflanzlichen Ölen und fettreichen Nüssen und keinem Zwang zu fettarmen Milch-(Produkten)];

dann entsprechen alle drei Diätformen den Schlussfolgerungen: ["Conclusions - Improved diet quality over 12 years was consistently associated with a decreased risk of death"] mit einer anhaltenden Senkung des Sterberisikos und leicht unterschiedlicher Intensität.

Keineswegs waren folgende Diäten untereinander hochsignifikant besser oder schlechter
1. Der veränderte "Gesunde Ernährungs-Index-Score“ [AHEI]
2. Der "diätetische Zugang zum Hypertonie-Stopp" [DASH]
3. Die veränderte "mediterrane Diät" [AMD]
Die letzte Diätform schnitt rein numerisch am besten ab und wäre auch unkompliziert zu handhaben.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund








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