Ärzte Zeitung, 08.03.2004

Ob Flüge Thrombosen fördern, bleibt unklar

Langstreckenflug-Simulation mit 72 Probanden

HAMBURG (ner). Ob es zwischen dem Entstehen von Beinvenenthrombosen und Langstreckenflügen wirklich einen Zusammenhang gibt, bleibt weiter unbewiesen. Ein simulierter Langstreckenflug von 72 Personen mit oder ohne Thrombose-Risiko ergab kein eindeutiges Ergebnis. Jedoch scheinen Frauen und Ältere gefährdet zu sein.

Die Probanden wurden einer von drei Gruppen zugeteilt, berichteten Dr. Gereon Fußhoeller von der Uni Frankfurt/Main und seine Kollegen beim Kongreß der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung in Hamburg:

  • einer Gruppe ohne Thrombose-Anamnese,
  • einer Gruppe ohne Thrombose-Anamnese, aber mit APC-Resistenz (Resistenz gegen Protein C) und
  • einer Gruppe mit Thrombose-Anamnese und mit APC-Resistenz.

Optoelektronische Umfangsmessungen zur Erfassung eines Beinödems ergaben während der zwölfstündigen Simulation weder einen Unterschied zwischen den Gruppen, noch eine Korrelation des Beinumfangs zum Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index oder der Trinkmenge, so Fußhoeller bei einer Poster-Präsentation.

Bei keinem der Probanden wurde unmittelbar nach der Druckkammerexposition eine Beinvenenthrombose festgestellt. Ein 62jähriger Mann mit Thrombose-Anamnese und APC-Resistenz entwickelte später eine Thrombose und Lungenembolie. Erste klinische Symptome waren nach 24 Stunden aufgetreten.

Auch die mehrfache Untersuchung mehrerer Laborparameter ergab keine einheitlichen Ergebnisse. Einen deutlichen Hinweis auf vermehrte Gerinnungsaktivität gab es nur bei den Frauen mit höchstem Thrombose-Risiko 48 Stunden nach Versuchsbeginn. Auch in der Altersgruppe der 60- bis 70jährigen zeigten einige Laborwerte (vW-Faktor-Antigen, Prothrombinfragment F1-F2, PAI) eine erhöhte Gefährdung an.

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