Ärzte Zeitung, 11.10.2007

Oft fehlt eine Thrombose-Prophylaxe

Studie bei akut erkrankten Patienten / Besonders ungünstig schneiden bei der Vorsorge internistische Patienten ab

MÜNCHEN (wst). Eine internationale Studie mit knapp 70 000 Patienten hat weltweit große Mängel in der Thrombose-Prophylaxe stationär aufgenommener Patienten ergeben. Lediglich 50 Prozent aller Patienten mit hohem Risiko für eine venöse Thrombose erhielten eine angemessene medikamentöse Prophylaxe. Dabei schnitten internistische Patienten noch deutlich schlechter ab als chirurgische.

In der ENDORSE*-Studie benötigten gemäß den international anerkannten Leitlinien des American College of Chest Physicians (ACCP) 64 Prozent der 30 827 chirurgischen und 42 Prozent der 37 356 internistischen Patienten aufgrund ihres erhöhten Thromboserisikos eine medikamentöse Prophylaxe.

Tatsächlich hatten aber nur 59 Prozent der prophylaxepflichtigen chirurgischen Patienten eine angemessene medikamentöse Prophylaxe, etwa mit einem niedermolekularen Heparin wie Enoxaparin (Clexane®), erhalten. Bei den prophylaxepflichtigen internistischen Studienteilnehmern waren es lediglich 40 Prozent der Patienten.

68 000 Patienten wurden in die Studie aufgenommen

Hauptziele der Studie waren, weltweit das venöse Thromboembolie-Risiko von internistischen und chirurgischen Krankenhauspatienten sowie die Verbreitung einer angemessenen Thrombose-Prophylaxe zu ermitteln. Das hat Privatdozent Rainer B. Zotz von der Universitätsklinik Düsseldorf auf einer Veranstaltung des Unternehmens Sanofi-Aventis in München berichtet. Dazu wurden aus 358 Kliniken in 32 Ländern nach dem Zufallsprinzip die Daten von mehr als 68 000 Patienten aufgenommen, die aufgrund eines größeren chirurgischen Eingriffs (Mindestalter 18 Jahre) oder einer akut aufgetretenen oder verschlimmerten schwereren internistischen Erkrankung (Mindestalter 40 Jahre) eingewiesen worden waren. Aus Deutschland nahmen 16 größere Krankenhäuser an der Studie teil.

Verbindliche länderspezifische Daten sind noch nicht verfügbar. Vorläufige Ergebnisse hätten aber Hinweise darauf gebracht, dass die Situation in Deutschland und der Schweiz wohl noch am besten ist, verriet Zotz.

* ENDORSE: Epidemiologic International Day for the Evaluation of Patients at Risk for Venous Thromboembolism in the Acute Hospital Care Setting

STICHWORT

Leitlinien zur Prophylaxe

Gemäß den zuletzt im Jahr 2004 aktualisierten Leitlinien des ACCP ist bei internistischen Patienten grundsätzlich von einem prophylaxepflichtigen erhöhten Risiko für venöse thromboembolische Ereignisse auszugehen, wenn akut ein Herzversagen oder ein schweres respiratorisches Leiden vorliegt. Des weiteren sollten auch all die internistischen Patienten eine effektive Thrombose-Prophylaxe mit vorzugsweise niedermolekularem Heparin erhalten, die aufgrund ihrer akuten Erkrankung vorübergehend immobilisiert sind und zusätzlich mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllen: aktive Krebserkrankung, akutes neurologisches Leiden, entzündliche Darmerkrankung, Sepsis oder eine venöse Thromboembolie in der Anamnese. (wst)

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