Ärzte Zeitung online, 28.09.2009

Schweizer Behörde prüft nach Todesfall Antibabypillen

BERN (dpa). Nach dem Tod einer 21-Jährigen untersucht die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic alle Antibabypillen mit dem Wirkstoff Drospirenon. Die junge Frau war Mitte September an einer Lungenembolie gestorben - möglicherweise wegen der Einnahme einer Antibabypille mit diesem Wirkstoff, sagte Swissmedic-Sprecher Hans-Beat Jenny am Sonntag.

 Voraussichtlich Ende Oktober will Swissmedic über das Ergebnis der Prüfung informieren. 

Das Präparat Yaz®, das die 21-Jährige eingenommen hatte, wird von Bayer Schering Pharma hergestellt und kam im September 2008 auf den Schweizer Markt. Nach Angaben von Swissmedic hatte die 21-Jährige die Pille zehn Monate vor ihrem Tod auf ärztliches Rezept bekommen.

Erst im Mai war in der Schweiz das Präparat Yasmin® in die Schlagzeilen geraten: Ein junges Mädchen ist seit einer Lungenembolie, die nach Einnahme der Pille eingetreten sein soll, schwerbehindert. Bayer sicherte der Familie eine Entschädigung zu - betonte aber, es sei nicht erwiesen, dass die Embolie auf die Einnahme des Präparates zurückzuführen sei.

Am Wochenende erklärte die Bayer (Schweiz) AG, man nehme jede Meldung über mögliche Nebenwirkungen von Produkten "sehr ernst" und kläre diese sorgfältig in enger Zusammenarbeit mit den Behörden. Dass Antibabypillen Thrombosen und Lungenembolien auslösen können, sei aber eine bekannte Komplikation. Die Wahrscheinlichkeit solcher Nebenwirkungen sei genauso hoch wie bei vergleichbaren Konkurrenzprodukten zur Empfängnisverhütung, sagte Unternehmenssprecher Oliver Renner am Sonntag in Berlin. "Das Sicherheitsprofil von Drospirenon-haltigen Pillen ist unverändert positiv", hieß es in einer Mitteilung des Konzerns.

Swissmedic teilte mit, dass zwischen Anfang 2005 und Mitte April dieses Jahres insgesamt 691 Meldungen zu vermuteten unerwünschten Nebenwirkungen verschiedener hormoneller Kontrazeptiva eingegangen seien. Knapp 100 von ihnen hätten sich auf Thrombosen oder Embolien bezogen. Seit 1990 habe es in der Schweiz insgesamt neun Berichte über tödlich verlaufene Lungenembolien gegeben, die mit der Einnahme von Antibabypillen in Verbindung gebracht wurden.

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