Ärzte Zeitung, 20.02.2012

Nach Thrombose: Jahrelang schlechte Prognose

Venenthrombosen erhöhen die Mortalität offenbar über Jahre. Das gilt nicht nur für Patienten mit Begleiterkrankungen wie Malignome, sondern auch für solche mit idiopathischer Thrombose und ohne Komorbiditäten.

Nach Thrombose: Prognose jahrelang schlecht

Beinvenenthrombose im linken Unterschenkel: bei zusätzlicher Krebserkrankung ist die Prognose besonders schlecht.

© Arteria Photography

LEIDEN. (bs). Die schlechte Prognose nach einer venösen Thromboembolie beschränkt sich nicht auf die ersten Monate nach dem Ereignis.

Das Sterberisiko ist einer Fall-Kontroll-Studie zufolge bis zu acht Jahre lang erhöht.

Die Autoren empfehlen deswegen, Patienten mit einer ersten Venenthrombose oder Lungenembolie langfristig zu überwachen.

Teilnehmer der Studie waren 4947 Patienten, die eine erste, nicht tödliche Venenthrombose oder Lungenembolie erlitten hatten.

Ihnen wurden 6154 Kontrollpersonen ohne Thrombose im Alter von 18 bis 70 Jahren gegenübergestellt. Die Patienten wurden bis zu acht Jahre lang beobachtet, im Median 5,5 Jahre.

Sterblichkeit vierfach erhöht

Todesfälle und -ursachen eruierten die Forscher von der Universität Leiden aus dem niederländischen Sterberegister (PLoS Med 2011; 9(1): e1001155 und MMW - Fortschritte der Medizin 2012/2: 27).

Im Beobachtungszeitraum starben 601 Thrombosepatienten und 135 Kontrollpersonen. Mit 22,7 im Vergleich zu 4,7 Todesfällen pro 1000 Personenjahren war die Sterblichkeit in der Thrombosegruppe vierfach erhöht.

Die höchste Mortalität hatten erwartungsgemäß Thrombosepatienten mit einer malignen Erkrankung: Von ihnen starben 55 Prozent bis zum Studienende, damit war ihre Mortalität 17-mal so hoch wie in der Kontrollgruppe. Selbst im Vergleich zu Krebspatienten ohne Thrombose hatten sie noch eine fünffach höhere Sterberate.

Bei Thrombosepatienten ohne Malignom war die Sterblichkeit doppelt so hoch wie in der Kontrollgruppe. Das höchste Risiko bestand in den ersten drei Jahren. Bei Thrombosen mit transientem Auslöser ging die Übersterblichkeit danach allmählich zurück, bei idiopathischen Thrombosen blieb die Mortalität bis zu acht Jahre lang mehr als verdoppelt.

Erhöhte Sterblichkeit durch Malignome

Im Schnitt wurde die Lebenserwartung durch eine Venenthrombose ohne Krebserkrankung um fünf Jahre gesenkt, von 81 auf 76 Jahre bei Männern und von 84 auf 79 bei Frauen.

Die führende Todesursache bei den Patienten mit Venenthrombosen waren Malignome (65 Prozent), gefolgt von Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen (13 Prozent und 6 Prozent). Allein mit den Komorbiditäten ließ sich die erhöhte Sterblichkeit der Thrombose-Patienten allerdings nicht erklären.

Auch Patienten mit einer idiopathischen Venenthrombose und ohne Begleiterkrankungen hatten eine schlechtere Prognose quoad vitam.

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