Ärzte Zeitung, 03.04.2013
 

Lungenembolie

Nur Teilerfolg mit Lyse

Thrombolyse kann bei submassiver Lungenembolie das Risiko für Tod und Kreislaufkollaps reduzieren, jedoch auf Kosten intrakranieller Blutungen.

SAN FRANCISCO. Ein Forscherteam um Dr. Stavros Konstantinides von der Universitätsklinik Mainz hat in der PEITHO-Studie bei 1006 Patienten mit submassiver Lungenembolie untersucht, ob es sinnvoll ist, additiv zur Heparin-Therapie das Thrombolytikum Tenecteplase in gewichtsadaptierter Dosierung zu verabreichen.

Lungenembolien (LE) sind nach Infarkten und Insulten mit einer Prävalenz von 80-100 pro 1000 der dritthäufigste kardiovaskuläre Notfall, so Konstantinides. Das Spektrum der Erkrankung ist breit: Manche Patienten haben eine exzellente Prognose, andere kollabieren sofort.

Zwischen diesen Extremen gibt es die intermediären Lungenembolien, bei denen die Patienten einen stabilen Blutdruck aufweisen, aber mit Herz-Echo, CT und oder Bluttests eine Dysfunktion des rechten Ventrikels nachgewiesen werden kann.

In diese Kategorie fallen etwa 20 Prozent aller LE-Patienten. Im Falle einer Verschlechterung droht der Kreislaufkollaps.

Primärer Endpunkt waren Tod oder Kreislaufzusammenbruch nach sieben Tagen. Die Rate dieser Ereignisse betrug 2,6 Prozent (Tenecteplase) und 5,6 Prozent (Placebo), was einer relativen Risikoreduktion um 56 Prozent entspricht.

Das Ergebnis kam ganz überwiegend durch die signifikante Senkung des Kreislaufkollaps-Risikos (von 5 auf 1,6 Prozent) zustande. Die Mortalität unterschied sich kaum (1,8 Prozent unter Placebo, 1,2 Prozent unter Tenecteplase).

Experten äußern sich skeptisch

Auf der anderen Seite erhöhte die Thrombolyse das Blutungsrisiko von 1,5 Prozent (Placebo) auf 6,3 Prozent. Zehn hämorrhagische Schlaganfälle unter Tenecteplase versus ein solches Ereignis unter Placebo schlugen zu Buche, das entsprechende Risiko nach Lyse-Therapie betrug zwei Prozent.

Patienten unter 75 Jahren profitierten am deutlichsten, ihre Risikoreduktion für den primären Endpunkt betrug 67 Prozent, das Risiko für Schlaganfälle lag bei 1,1 Prozent. Bei Patienten über 75 Jahren sei hingegen eine Dosisreduktion zu erwägen, so Konstantinides.

Für ihn bestätigen die Ergebnisse das Konzept der Risikostratifizierung, um Patienten mit intermediärem Risiko eine zusätzliche Therapie anbieten zu können, die eine Verschlechterung verhindert.

Andere Experten waren skeptischer: "Es scheint vernünftig, die Therapie auf jüngere Patienten mit akzeptablen Blutungsrisiken zu beschränken", kommentierte Dr. Sanjay Kaul Los Angeles, bei einer ACC-Pressekonferenz.

Angesichts der Tatsache, dass die Therapie nur den weichen Endpunkt reduzierte, zugleich aber intrakranielle Blutungen verursacht, ging für ihn die Studie aus wie das Hornberger Schießen. "It appears to be a wash", so Kaul. (DE)

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