Ärzte Zeitung online, 20.02.2014

Schwangerschaft

Thrombose-Risiko bis zwölf Wochen postpartal

Bis zu zwölf Wochen nach einer Entbindung bleibt das Risiko für ein thrombotisches Ereignis bei der Frau signifikant erhöht. Dieses Ergebnis einer US-Studie könnte möglicherweise Einfluss auf die bisherige Prophylaxepraxis nehmen.

NEW YORK. Das Risiko für ein thrombotisches Ereignis nach einer Entbindung ist für die Frau in den ersten sechs Wochen am höchsten. Danach schwächt sich die Gefahr zwar erheblich ab, bleibt aber dennoch bis zu zwölf Wochen nach der Geburt des Kindes signifikant oberhalb des Risikos nicht schwangerer Frauen.

In der Schwangerschaft steigt das Thromboserisiko und erhöht sich nach der Entbindung weiter. Die amerikanischen Leitlinien empfehlen die prophylaktische Therapie für Frauen mit hohem Thromboserisiko bis sechs Wochen nach der Entbindung.

Einzelne Studien und Fallberichte lassen allerdings vermuten, dass das Risiko eines thrombotischen Ereignisses über diesen Zeitraum hinaus besteht. Wie lang diese Gefahr für die entbundenen Frauen möglicherweise relevant ist, haben New Yorker Neurologen um Hooman Kamel in einer retrospektiven Crossover-Kohortenstudie untersucht.

Hierzu nutzten sie die Daten von rund 1,7 Millionen Erstgebärenden, die zwischen 2005 und 2010 in kalifornischen Kliniken entbunden hatten (NEJM 2014; online 13. Februar).

1015 Frauen erlitten innerhalb des Studienzeitraums (bis ein Jahr und 24 Wochen nach der Entbindung) ein thrombotisches Ereignis. Darunter waren 720 venöse Thromboembolien, 248 Schlaganfälle und 47 Myokardinfarkte. Besonders hoch war das Risiko in den ersten sechs Wochen nach der Geburt des Kindes.

Im Vergleich zu einem gleichlangen Zeitraum ein Jahr später kam es zu 411 versus 38 Ereignissen. Daraus errechneten die Autoren eine absolute Risikodifferenz von 22,1 Ereignissen pro 100.000 Entbindungen.

Doch auch in der Zeitspanne zwischen der siebten und zwölften postpartalen Woche war das Risiko gegenüber der Kontrollsituation noch erhöht. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum ein Jahr später erlitten 95 versus 44 Frauen ein thrombotisches Ereignis (Differenz des absoluten Risikos: 3,0 Ereignisse pro 100.000 Entbindungen). Über die zwölfte Woche nach der Entbindung hinaus konnte keine Signifikanz mehr ermittelt werden.

Auch in Deutschland geht man bislang von einer erhöhten Thrombosegefahr lediglich bis zu sechs Wochen nach der Entbindung aus. Die S3-Leitlinie "Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE)" empfiehlt: " Liegen Risikofaktoren für eine VTE vor, sollte zusätzlich zur nicht-medikamentösen VTE-Prophylaxe eine medikamentöse VTE-Prophylaxe mit NMH für die Dauer des erhöhten Risikos bzw. im Wochenbett (bis 6 Wochen postpartal) durchgeführt werden."

Die Ergebnisse ihrer Studie, so Hooman Kamel und Kollegen, legten nahe, dass Risiken und Nutzen einer Heparinprophylaxe bei Hochrisikopatientinnen über die sechs Wochen nach der Entbindung hinaus untersucht werden sollten. (St)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »