Ärzte Zeitung, 05.05.2008

Bösartig oder nicht? - Das ist bei Hämangiomen zu klären

Schnelles Wachstum und Blutungen sind bei Gefäßtumoren an der Zunge suspekt

MÜNCHEN (ner). Hämangiome im Kopf-Hals-Bereich sind meist gutartig und bilden sich oft spontan zurück. Dennoch sollte nach Hinweisen für eine maligne Entartung gesucht werden. Das wurde auch bei einem 50-jährigen Mann gemacht, der sich in der HNO-Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München vorgestellt hat.

Benignes Zungenhämangiom: Wenn einen Patienten der gutartige Tumor sehr stört, kann er chirurgisch entfernt werden.

Foto: Dr. Eike Krause

Der bläuliche Tumor am linken Zungenrand des Mannes war langsam immer größer geworden. Der Tumor war schmerzlos, weich und gut vom Rest der Zunge abgrenzbar, berichtet Dr. Eike Krause, Oberarzt der HNO-Klinik (MMW 150, 2008, 5).

Die B-Scan-Sonografie mit Duplexdarstellung ergab einen gefäßreichen Tumor mit kavernösen Anteilen - ein Zungenhämangiom. Hinweise für eine maligne Entartung fanden sich weder in der HNO-Spiegeluntersuchung noch in der Magnetresonanztomografie.

Zwei Drittel der Hämangiome träten im Kopf-Hals-Bereich auf, häufig bei Neugeborenen, aber auch bei Erwachsenen, so Krause. Gerade bei kleinen Befunden und besonders bei Kindern könne die Rückbildung über Jahre abgewartet werden, wenn keine funktionellen Beeinträchtigungen bestehen und der Tumor nicht weiter wächst. "Bei Erwachsenen sollte insbesondere bei Größenprogredienz, Schmerzen, Blutungen oder Ähnlichem eine histologische Abklärung erfolgen", sagte Krause zur "Ärzte Zeitung".

Wird ein Zungenhämangiom als sehr störend empfunden, kann es chirurgisch entfernt werden. Außer mit den üblichen Operationsfolgen und -risiken wie Schwellung, Infektion und Narbenbildung muss dann für einige Wochen mit undeutlicher Sprache, Problemen beim Kauen und Schlucken, gegebenenfalls auch mit Geschmacks- und Sensibilitätsstörungen der Zunge gerechnet werden.

Die Nachwirkungen sind unwahrscheinlich, wenn die Hämangiome nicht an der Zungenspitze liegen oder wenn die Befunde klein sind. Bei oberflächlichen Hämangiomen kommt auch die Laserbehandlung in Betracht.

Der Münchner Patient entschied sich wegen der nur langsamen Größenzunahme gegen eine chirurgische Behandlung. Krause hat mit ihm halbjährliche Kontrolluntersuchungen vereinbart, um den Befund weiter zu beobachten.

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