Ärzte Zeitung online, 08.02.2012

Schützt Vardenafil vor Hörverlust?

Der Arzneistoff Vardenafil, bisher für seine Wirkung bei erektiler Dysfunktion bekannt, könnte in Zukunft auch Patienten mit einem Lärmtrauma helfen. Dies legen neue Studienergebnisse nahe.

Schützt Vardenafil vor Hörverlust?

Haarsinneszellen (grün) im freigelegten Inneren der Gehörschnecke eines Rattenohres.

© Universitätsklinikum Tübingen

TÜBINGEN (chh). Forscher der Universität Tübingen haben einen Mechanismus im Innenohr von Ratten und Mäusen entdeckt, der das Gehör schützt. Ein zellulärer Signalweg verhindert, dass die empfindlichen Haarsinneszellen durch Lärm beschädigt werden.

Zudem konnten die Forscher nachweisen, dass der PDE-5-Hemmer Vardenafil diesen Mechanismus unterstützt (Nature Medicine 2012; doi:10.1038/nm.2634).

Rattenohren fast vollständig geschützt

In Tierversuchen bewahrte Vardenafil Ratten und Mäuse fast vollständig vor einem lärminduzierten Hörverlust. Dabei genügt es, den Tieren den Wirkstoff noch nach der Lärmexposition zu verabreichen.

Bei Mäusen mit einem genetischen Defekt, der den entdeckten Signalweg unterbricht, trat die Wirkung hingen nicht auf. Außerdem büßten die Tiere mehr Haarsinneszellen ein als Mäuse ohne Defekt.

"Die Erkenntnisse zeigen erstmalig einen therapeutisch nutzbaren Mechanismus im Ohr auf, mit dessen Hilfe in Zukunft vielen Patienten mit einem Lärmtrauma geholfen werden könnte, ihr Hörvermögen zu erhalten", kommentierte Professor Marlies Knipper vom Zentrum für Neurosensorik des Universitätsklinikums Tübingen die Ergebnisse.

Einsatz am Menschen

PDE-5-Hemmer werden bisher vor allem in der Therapie von pulmonaler Hypertonie, erektiler Dysfunktion und benigner Prostata-Hyperplasie eingesetzt. Die Substanzklasse steht aber auch im Verdacht, dem Innenohr zu schaden, seit vor fünf Jahren ein Mann, der den PDE-5-Hemmer Sildenafil einnahm, einen Hörverlust erlitten hatte (Food and Drug Administration, FDA Report 10/2007).

Nach Angaben der Universität Tübingen müssen jetzt klinische Studien prüfen, ob sich Menschen mit Hörstörungen mit Vardenafil behandeln lassen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis wurden erneut exzellente deutsche pharmakologische Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »