Ärzte Zeitung, 17.06.2013

Erwachsene

Tonsillektomie kann sich lohnen

Patienten, denen die Mandeln entfernt wurden, erkrankten seltener an Pharyngitis und hatten weniger Fehlzeiten am Arbeitsplatz.

OULU. Finnische Forscher haben den Nutzen einer Tonsillektomie analysiert, indem sie operierte und nicht operierte Patienten mit rezidivierenden Pharyngitiden verglichen (CMAJ 2013, online 2. April).

Unabhängig davon, ob die Tonsillen entfernt werden oder nicht, treten bei erwachsenen Patienten sehr selten schwere Formen auf.

Wenn sich aber immer wieder aufs Neue eine Pharyngitis einstellt, kommt auch bei Jugendlichen und Erwachsenen irgendwann die Frage auf, ob es nicht besser sei, die Mandeln rauszunehmen.

Operierte hatten an weniger Tagen Halsschmerzen

40 Patienten einer Kontrollgruppe wurden fünf bis sechs Monate beobachtet, dann operiert, 46 Probanden wurden gleich operiert. Nach fünf Monaten hatte ein Patient der Kontrollgruppe und kein Proband nach Tonsillektomie eine schwere Pharyngitis erlitten.

Signifikante Unterschiede zeigten sich in der Zahl der Patienten mit leichter akuter Pharyngitis in diesem Zeitraum: 80 Prozent der Kontrollgruppe versus 39 Prozent der Tonsillektomiegruppe.

Einen Arzt suchten deshalb 43 Prozent der Kontrollprobanden und 4 Prozent der gleich Operierten auf. Insgesamt war die Pharyngitisrate sowie die Zahl der Tage mit (meist leichten) Halsschmerzen, Fieber, Rhinitis und Husten nach einer Tonsillektomie signifikant niedriger als bei den Patienten, die auf ihre Operation warteten.

Das spiegelte sich bei den Fehltagen in der Schule und am Arbeitsplatz wider.

Nutzen einer Operation abwägen

Postoperativ verspürten die Probanden durchschnittlich 17 Tage Halsschmerzen, waren aber insgesamt mit dem Ergebnis zufrieden.

Fazit der Autoren: Erwachsene, die öfter als dreimal im Jahr wegen ihrer Tonsillen krank sind, sodass sie vom Arbeitsplatz fernbleiben und einen Arzt aufsuchen müssen, können von einer Operation profitieren.

Da die Pharyngitiden allerdings auch ohne Op meist nur leicht und viralen Ursprungs sind, sollten bei der Entscheidung für oder gegen einen operativen Eingriff mögliche Komplikationen und Beschwerden durch die Operation gut gegen den Nutzen abgewogen werden. (St)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »