Ärzte Zeitung App, 27.11.2013
 

Rezidivierende Otitis

Impferfolg gefährdet

Kinder, die trotz optimierter Therapie immer wieder an Otitis media erkranken, sprechen oft auch schlecht auf bestimmte Routineimpfungen an: Die Antikörpertiter überschreiten nicht die protektive Schwelle.

Von Robert Bublak

Impferfolg gefährdet

Kinder mit häufigen Mittelohrentzündungen sprechen auf Impfungen schlecht an, so eine US-Studie.

© luna / fotolia.com

ROCHESTER. Der Studie einer Forschergruppe um Michael Pichichero von der University of Rochester liegt die Beobachtung zugrunde, wonach Kinder mit streng definierter Anfälligkeit für Otitis media (sAO) in Experimenten keine Antikörperreaktion auf eventuell Vakzine-taugliche Antigene bestimmter Atemwegsbakterien entwickelt haben.

"sAO" bedeutet, dass die Kinder dreimal in einem halben oder viermal in einem ganzen Jahr an Otitis erkrankt waren, obwohl sie jeweils gezielt nach Antibiogramm behandelt worden waren.

Antikörper von Routineimpfungen untersucht

Aus dieser Beobachtung entwickelten die Wissenschaftler die Hypothese, dass die Kinder auch auf Routineimpfungen nicht adäquat reagieren.

Sie untersuchten daraufhin Serumproben von jeweils 34 Kindern im Alter von sechs bis 24 Monaten mit und ohne sAO, die alle altersgemäßen Routineimpfungen durchlaufen hatten (Pediatr Infect Dis J 2013; 32: 1163).

Tatsächlich erreichten die Kinder mit sAO signifikant häufiger keine protektiven Konzentrationen von Antikörpern gegen Diphtherietoxin, Tetanustoxin, Pertussis-Pertactin und Hepatitis B.

Ähnliches galt für Pertussis-Toxin, Pertussis-Filamentöses-Hämagglutinin, Poliovirus Typ 3 und Pneumokokken-Polysaccharid 23; hier variierten die Gruppeneffekte jedoch mit dem Alter der Kinder.

Keine Gruppenunterschiede existierten bezüglich der Titer für Poliotyp 1 und 2, Polyribosyl-Ribitolphosphat-Kapselpolysaccharid von Haemophilus influenzae Typ b (Hib) sowie Pneumokokken-Polysaccharid Serotyp 6B und 14.

Betroffene profitieren von Herdenimmunität

"Bei einem hohen Prozentsatz der Kinder mit sAO persistierten die nicht-protektiven Antikörpertiter bis zu einem Alter von 24 Monaten, und zwar trotz routinemäßiger Boosterung", berichten Pichichero und sein Team.

Sie raten, bei Kindern mit rezidivierenden Mittelohrentzündungen auch daran zu denken, dass sie womöglich nur schwach auf Impfungen reagieren. Herdenimmunität könne zwar auch diese Kinder schützen, so die Forscher, doch sei die Zahl der Impfverweigerer in manchen Ländern gestiegen.

"Was das im Licht unserer Ergebnisse heißt, liegt auf der Hand."

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