Ärzte Zeitung, 27.10.2016
 

Ständig Nasenbluten

Drei Arzneien im Test

Der Epistaxis bei Morbus Osler ist oft schwer beizukommen. Forscher haben nun drei Substanzen getestet, mit denen Blutungen auf unterschiedlichen Wegen gestoppt werden können.

SALT LAKE CITY. Nasenbluten ist ein Leitsymptom bei M. Osler. Betroffene haben angeborene Teleangiektasien, die überall am und im Körper vorkommen können, besonders oft aber unter anderem in der Nase zu finden sind. Das daraus resultierende rezidivierende Nasenbluten kann massive Formen annehmen. Eine optimale Therapie dafür ist nicht bekannt. Die endonasale Koagulation kann zumindest kurzzeitig Erleichterung, muss aber ständig wiederholt werden.Epistaxis ist jenes Symptom der hereditären hämorrhagischen Teleangiektasie, das die Lebensqualität der Patienten am meisten einschränkt.

Weil 80–90 Prozent der nasalen Teleangiektasien so gelegen sind, dass sie im Prinzip einer topischen Therapie zugänglich sind, haben US-Forscher um Kevin Whitehead von der University of Utah in einerrandomisierten und doppelblinden Studie drei Therapien gegen Placebo getestet: Bevacizumab 1% (4 mg/d), Estriol 0,1% (0,4 mg/d), Tranexamsäure 10% (40 mg/d) und Placebo (Kochsalzlösung 0,9%). Jedem Therapiearm wurden rund 30 Patienten zugeteilt, die median sieben Episoden von Nasenbluten pro Woche mitmachen mussten (JAMA 2016; 316: 943–951).

Hinter jedem der drei Verumpräparate steht ein eigenes theoretisches Prinzip, von dem anzunehmen wäre, dass es der Neigung zur Epistaxis entgegenwirkt. Bevacizumab schwächt die Angiogenese, Estriol induziert eine Plattenepithelmetaplasie in der nasalen Mukosa und Tranexamsäure stabilisiert Thromben etwa durch die Hemmung der Fibrinolyse.

Alle drei Wirkmechanismen schlugen jedoch therapeutisch fehl. Das ständige Nasenbluten der M.-Osler-Patienten ließ sich mit keiner der drei Substanzen aufhalten. Nach zwölfwöchiger Therapie lag die wöchentliche Epistaxisfrequenz im Mittel bei sieben bis acht Episoden und damit nicht niedriger als zuvor. Auch die Blutungsdauer unterschied sich nicht signifikant von jener unter Placebo. Gleiches galt für andere sekundäre Endpunkte wie Hämoglobinkonzentration, Ferritinspiegel, Transfusionsbedarf und Notfallbehandlungen.

Nach zwölf und 24 Wochen hatte sich die Schwere des Nasenblutens zwar gebessert. Dies galt aber für Patienten unter Placebo genauso wie für jene unter Verum. (rb)

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