Ärzte Zeitung online, 10.02.2018

Dänische Studie

Für den Kloß im Hals gibt es meist einen Grund

Bei den meisten Patienten, die mit einem Globusgefühl in die HNO-Praxis kommen, lassen sich klinische Befunde erheben. Meist sind sie harmlos. Das heißt aber nicht, dass der Globus in jedem Fall rasch wieder verschwinden würde.

Von Robert Bublak

Für den Kloß im Hals gibt es meist einen Grund

Kloßgefühl im Hals: Bei 28 Prozent der Patienten warr in einer Studie nichts Auffälliges zu finden.

© lulu / stockadobe.com

FREDERIKSBERG. Hippokrates klassifizierte das Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben, als hysterisch und führte es auf das Wandern des Uterus zurück. Diese Konzeption des Globus pharyngis hat zwar in den vergangenen zweieinhalb Jahrtausenden sämtliche Plausibilität eingebüßt. Eine alternative monokausale Deutung ist aber bis dato nicht in Sicht, und so stehen Mediziner bei vielen Patienten mit dem Syndrom vor einem Rätsel, wenn es um dessen Ursachen geht. Als solche kommen Störungen im Temporomandibulargelenk, ein verlängerter Processus styloideus, Störungen der Stimmbildung und andere Ursachen infrage. Häufig lautet die Diagnose aber auf idiopathisch oder funktional.

Ärzte einer ambulanten Einrichtung in Frederiksberg, Dänemark, haben das Globussyndrom in einer Studie näher untersucht (Clin Otolaryngol 2018, online 11. Januar). Die HNO-Spezialisten um Eva Rasmussen stellten dabei fest, dass 3,8 Prozent der erstmals in die Praxis gekommenen Patienten ein Globussyndrom aufwiesen. Insgesamt handelte es sich um 122 konsekutive Patienten, in der Mehrzahl (60 Prozent) Frauen. Sie hatten ihre Beschwerden im Mittel bereits seit rund acht Monaten. 84 Prozent der Betroffenen äußerten Ängste, hauptsächlich die Angst, sie könnten an Krebs erkrankt sein.

Die körperliche Untersuchung mit Stirnlampe beziehungsweise Endoskop – unabdingbar in der Abklärung der Beschwerden – ergab in vielen Fällen einen pathologischen Befund.

Das waren die typischen Befunde

  • Zeichen von Reflux auf der Schleimhaut von Hypopharynx oder Larynx (16 Prozent)
  • entzündete Nasenschleimhaut, rhinitisch oder postinfektiös (6 Prozent)
  • postinfektiöse Entzündung der Mundhöhle (6 Prozent)
  • postinfektiöse Entzündung des Hypopharynx (5 Prozent)
  • pathologische Veränderung der Schilddrüse (4 Prozent)
  • Anspannung der Nackenmuskulatur (4 Prozent)
  • große symmetrische Zungenmandel (4 Prozent)
  • große symmetrische Gaumenmandeln (4 Prozent)
  • Tonsillensteine (3 Prozent)
  • nasale Polypen (2 Prozent)
  • asymmetrische Gaumenmandeln (2 Prozent)
  • Asymmetrie der Zungenmandel/Zungenbasis (2 Prozent).

Die häufigsten Abschlussdiagnosen waren Reflux (25 Prozent) und postinfektiöse Entzündung (22 Prozent). Bei 28 Prozent der Patienten allerdings war nichts Auffälliges zu finden. Hier blieben nur psychologische Faktoren als mögliche Auslöser des Globusgefühls – Angst, Depressionen, Krebsfurcht oder mit Stress assoziierte Beschwerden.

Sechs Monate später wurden die Patienten per Fragebogen befragt, ob ihre Beschwerden verschwunden seien. Das bejahten 21 Prozent und verneinten 27 Prozent. Bei den übrigen Studienteilnehmern konnte die Frage mangels Rückmeldung nicht geklärt werden.

Als Prädiktoren für persistierende Globus-Symptome erwiesen sich ein männliches Geschlecht, Rauchen und Probleme beim Atmen. Diejenigen Patienten, die zugleich ein Fremdkörpergefühl angaben, hatten ein geringeres Risiko für andauernde Beschwerden.

Eine maligne Erkrankung wurde in der aktuellen dänischen Studie bei keinem einzigen Patienten gefunden; Patienten mit entsprechenden Verdachtssymptomen (Schmerzen, Dysphagie, Gewichtsverlust) waren unter die Ausschlusskriterien für die Studienteilnahme gefallen. Eine weitere gute Nachricht: Rund 95 Prozent der Patienten fühlten sich nach dem Besuch in der HNO-Praxis beruhigt.

Wichtig zu wissen

  • Bei den meisten Patienten mit Globusgefühl lassen sich (benigne) pathologische Befunde im HNO-Bereich erheben, bei 28 Prozent finden sich keine körperlichen Auffälligkeiten.
  • Patienten mit monosymptomatischem Globusgefühl müssen nicht befürchten, an einem bösartigen Tumor erkrankt zu sein.
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