Ärzte Zeitung online, 19.03.2018

Adieu, Keime

Ab in die Mikrowelle mit Nasenduschen!

Bei vielen sinunasalen Erkrankungen ist das Nasenspülen eine etablierte Maßnahme. Doch wie lässt sich die Keimbelastung von Spüllösung und Gerät vermeiden? Mit der Mikrowelle, sagen brasilianische Forscher.

SãO PAULO. Nasenduschen lassen sich in der Mikrowelle gut entkeimen, wie eine In-vivo-Untersuchung kürzlich bestätigt. Die Forscher empfehlen, die meist aus Kunststoff hergestellten Nasenduschen für 90 Sekunden in die Mikrowelle zu legen. Mit einer längeren Einwirkdauer der elektromagnetischen Wellen ließ sich zwar die Kontaminationsrate weiter senken, doch der Kunststoff hielt der Wärmeentwicklung nicht stand und verformte sich.

Nicht beantwortet wurde allerdings, ob auch die Nasenspüllösung, speziell die Flasche, in der sie aufbewahrt wird, auch regelmäßig dekontaminiert werden sollte und wenn ja, wie. Erste Anhaltspunkte steuern nun Mediziner aus Brasilien bei (Clin Otolaryngol 2018, online 16. Februar).

Sie besorgten kommerziell erhältliche Spüllösungen in jeweils sechs 500-Milliliter-Flaschen und bildeten drei Gruppen. In Gruppe A wurden die Flaschen täglich geöffnet, die Spüllösung jedoch nicht für das Nasenspülen genutzt.

In Gruppe B wurden die Flaschen ebenfalls täglich geöffnet und ein Patient mit chronischer Rhinosinusitis entnahm zweimal täglich 40 ml, um sich damit die Nase zu spülen (20 ml pro Nasenloch). Der Proband nutzte zudem zeitversetzt ein Budesonid-Nasenspray.

Das Prozedere in Gruppe C entsprach dem in Gruppe B, die Flaschen und die Nasendusche wurden jedoch am Ende des Tages für 120 Sekunden in der Mikrowelle dekontaminiert. Aus den Flaschen, die alle bei 5°C im Kühlschrank aufbewahrt wurden, wurden über 14 Tage lang einmal täglich Proben entnommen und mikrobiologisch untersucht.

In Gruppe A und C war kein Bakterienwachstum nachweisbar, in den Proben der Gruppe B ließ sich nach dem Tag 6 das gramnegative Bakterium Proteus mirabilis anzüchten. Die Labormediziner aus Brasilien sehen es daher als ratsam an, alle Spüllösungsflaschen täglich zu dekontaminieren, insbesondere ab dem sechsten Tage nach Anbruch. Für stichhaltige Empfehlungen brauche es aber weitere Untersuchungen. (dk)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Blick ins Gehirn offenbart beste Therapie-Option

Einige Depressive sprechen besser auf Verhaltenstherapien an, andere auf Antidepressiva. Ein Blick ins Hirn per fMRT zeigt, welcher Ansatz den meisten Erfolg verspricht. mehr »

Ein steiniger Weg nach Deutschland

Ob geflohen vor Krieg oder eingewandert aus anderen Teilen der Welt: Wer als ausländischer Arzt in einer deutschen Klinik oder Praxis arbeiten will, muss Ausdauer haben – und gutes Deutsch können. mehr »

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen weht scharfer Gegenwind. mehr »