Ärzte Zeitung, 24.01.2012

Chemo im Job ist für Schwangere riskant

NEU-ISENBURG (EO). Der berufliche Umgang mit Chemotherapeutika und Desinfektionsmitteln birgt für Schwangere ein nicht unerhebliches Abortrisiko.

In einer Studie der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) im US-Staat Ohio waren Frauen, die ihr Kind vor der 20. Schwangerschaftswoche verloren hatten, doppelt so häufig im Arbeitsalltag mit antineoplastischen Medikamenten zugange wie Frauen mit lebend geborenen Kindern (Am J Obstetrics Gynecology 2012; online 3. Januar).

Die Exposition gegenüber Chemotherapeutika wie Cyclophosphamid oder Fluorouracil schien sich besonders häufig in frühen Abgängen innerhalb der ersten drei Monate niederzuschlagen.

Desinfektionsmittel wie Ethylenoxid, Formaldehyd oder Glutaraldehyd waren mit einer Risikoerhöhung von 39 Prozent verbunden, allerdings bestand dieser Zusammenhang nur für Aborte zwischen Woche 12 und 20.

Auch die Exposition gegenüber Röntgenstrahlung schien ein Risiko zu bergen , dieses lag aber nur knapp über der Signifikanzschwelle.

Verbot in Deutschland

Eine Schwäche der Studie: Inwieweit die Krankenschwestern bei ihrer Tätigkeit durch Handschuhe, Bleischürzen oder Belüftungssysteme geschützt waren, ließ sich nicht nachvollziehen.

Übrigens: In Deutschland empfiehlt die Strahlenschutzkommission zum Schutz des Ungeborenen ab Bekanntwerden der Schwangerschaft eine maximale kumulative Strahlendosis von 1 mSv/Monat bis zur Geburt.

In den USA liegt dieser Grenzwert derzeit bei 5 mSv während der gesamten Schwangerschaft.

Ferner besteht in Deutschland, anders als in den USA, laut Arbeitsschutzgesetz ein generelles Verbot für den Umgang Schwangerer mit "Krebs erzeugenden, Frucht schädigenden oder Erbgut verändernden Gefahrstoffen"; hierzu zählen Zytostatika , Halothan, Ethylenoxid oder Virustatika.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

In welchem Alter die Lust an Bewegung schwindet

Kinder bewegen sich viel, rennen und toben gerne. Das ändert sich, wenn sie älter werden. Bislang dachte man, dass der Wandel mit der Pubertät einsetzt – doch weit gefehlt. mehr »

Alle vier Stunden ein Arzt weniger

Die Produktivität in der ambulanten Versorgung sinkt, warnt die KBV und macht darauf mit einer "Arztzeituhr" in ihrem Gebäude aufmerksam. Der Trend habe mehrere Gründe. mehr »

Wenn Männer mehr als zwei Hoden haben

Überzählige Hoden sind meist asymptomatisch. Bei einem jungen Mann mit akutem Skrotum machten australische Urologen jetzt einen überraschenden Zufallsbefund. mehr »