Ärzte Zeitung, 25.06.2014

Größe von Kindern

Menarche als Einschnitt bei der BMI-Entwicklung

Größe- und Gewichtsentwicklung von Kindern werden bislang allein anhand des kalendarischen Alters beurteilt. Bei Mädchen zwischen 10 und 18 Jahren ist das offenbar zu ungenau.

FRIEDLAND. Die Geschlechtsreife macht in vielerlei Hinsicht einen entscheidenden Unterschied, auch in puncto Körpergröße, Gewicht und Body-Mass-Index (BMI): Gemäß einer aktuellen Erhebung sind Mädchen nach der Menarche im Durchschnitt größer und schwerer als Gleichaltrige vor der Menarche.

Rebekka Mumm von der Universität in Potsdam und Kollegen haben von 3766 Mädchen zwischen 10 und 17 Jahren Daten zu Körpergröße, Gewicht und BMI erhoben und geprüft, wie sich der Zeitpunkt der Geschlechtsreife auf das körperliche Wachstum auswirkt (Acta Paediatrica 2014, online 25. März).

Die Daten stammen aus der zwischen 2003 und 2006 durchgeführten Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS).

Tatsächlich machte der Zeitpunkt der Geschlechtsreife einen deutlichen Unterschied: Mädchen nach der Menarche waren im Vergleich zu gleichaltrigen Mädchen, die noch keine Regelblutung hatten, im Mittel 5,3 cm größer, 9,7 kg schwerer und hatten einen um 2,9 kg/m2 höheren BMI. Besonders ausgeprägt war der Unterschied bei jüngeren Mädchen.

Der BMI steigt nicht nur mit dem kalendarischen, sondern auch mit dem biologischen Alter, betonen Mumm und Kollegen.

Ob die frühreifen Mädchen nun schwerer sind, weil sie früher geschlechtsreif geworden sind, oder ob sie früher geschlechtsreif wurden, weil sie mehr Gewicht auf die Waage bringen, das lasse sich anhand der Studie nicht beantworten und war, so Mumm und Kollegen, auch nicht Ziel der Untersuchung. Vielmehr gehe es darum, das Bewusstsein für diesen Zusammenhang zu schärfen.

Da nach Ansicht der Studienautoren mit den aktuell geltenden Referenzwerten das Risiko bestehe, spät-pubertierende, übergewichtige Mädchen noch als normalgewichtig und früh-pubertierende Normalgewichtige als übergewichtig einzustufen, fordern sie, die pubertäre Entwicklung bei der Beurteilung des BMIs zu berücksichtigen, speziell bei 10- bis 14-jährigen Mädchen. (dk)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wirkstoff zum Cannabis-Entzug

Die Blockade der Fettsäureamid-Hydrolase reduziert Symptome beim Cannabis-Entzug. Mit einem Hydrolasehemmer senkten Abstinenzwillige den Konsum um fast 70 Prozent. mehr »

Erfolg mit Gentherapie bei Anämien

Aktuelle Berichte beim ASH-Kongress bestätigen den Nutzen einer Gentherapie bei Patienten mit Beta-Thalassämie oder Sichelzellanämie. mehr »

Leichter Antieg auf 118 Influenza-Fälle

Die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen (ARE) ist in der 48. Kalenderwoche (KW) 2018 in fast allen Bundesländern gestiegen, besonders in Ostdeutschland. mehr »