Ärzte Zeitung, 27.04.2016

Weiter unklar

Testosteron und Kalk in Gefäßen

BOCHUM. Bei Männern gibt es zwischen Gefäßverkalkung und Geschlechtshormonen einen Zusammenhang. Dieser sei aber eher nicht kausal, sondern die Assoziation bestehe über kardiovaskuläre Risikofaktoren, so die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Die DGE bezieht sich dabei auf eine Querschnittsstudie mit 1654 Männern (mittleres Alter 49 Jahre) aus einer Kohorte der Framingham-Studie(J Clin Endocrinol 2016, online 1. März), deren Ergebnisse sie im Web zusammenfasst.

Danach habe sich eine negative Assoziation von Koronararterien-Kalk (CAC) sowie Verkalkungen der Bauch- und Brustaorta mit den Spiegeln an Gesamt-Testosteron und freiem Testosteron ergeben berechnet über das Sexhormon-bindende Globulin (SHBG).

Die Assoziationen zu Östrogenen und Östron hingegen sei positiv gewesen. Pro 100 ng/ml Anstieg des Gesamt-Testosterons habe man einen altersadjustierten Unterschied im CAC von -23 Prozent gefunden, so die DGE. Nach Adjustierung für andere kardiovaskuläre (CV) Risikofaktoren seien die berechneten Assoziationen zwischen Testosteron und den vaskulären Verkalkungs-Scores jedoch statistisch nicht signifikant gewesen.

Die Sexualhormone wurden mit der Flüssigkeitschromatographie-Tandem-Massenspektometrie gemessen, SHBG mit einem immunofluorometrischen Assay. Verkalkungen bestimmte man computertomographisch.

Die Autoren folgerten, dass die gefundenen Assoziationen der Kalk-Scores zu den Geschlechtshormonspiegeln wohl der Ausdruck einer Beziehung der Geschlechtshormone zu etablierten CV-Risikofaktoren sind und durch diese vermittelt werden, so die DGE.

Um den Zusammenhang zwischen Testosteron und CV-Risiko zu prüfen, habe die US-amerikanische FDA im August 2015 die Testosteronhersteller aufgefordert, endlich eine gemeinsame Studie mit gleichen Kollektiven, gleichen Präparaten und gleich langer Dauer durchzuführen, erinnert Professor Helmut Schatz, Internist aus Bochum, in einem Kommentar zur Studie im Blog der DGE.

Betrachte man gegenwärtig die Problematik pragmatisch aus Distanz, "so mag man zu der Meinung kommen, dass bei eindeutig erniedrigten Testosteronspiegeln und Symptomen ab einem gewissen Alter Testosterongabe eher einen günstigen CV Einfluß ausübt", so Schatz. "Großzügige" Testosteronzufuhr nur bei (wenig spezifischen) Symptomen von "Low T" ohne Spiegelbestimmung sei abzulehnen. (mal)

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