Ärzte Zeitung online, 30.12.2016

Massenspektrometrie

Gute Noten für pränatale Rh-Diagnostik per zellfreier fetaler DNA

Durch Analyse zellfreier fetaler DNA im Blut von Schwangeren lässt sich früh der Rh-Status des Feten feststellen. Das Ergebnis bei Anwendung eines neuen Testsystems war dabei unabhängig vom Zeitpunkt der Blutentnahme während der Schwangerschaft.

Von Peter Leiner

HOUSTON. US-Gynäkologen unter anderem vom Baylor College of Medicine in Houston haben den Nutzen der Analyse fetaler DNA im Plasma Schwangerer mit dem System SensiGene RHD des Unternehmens Sequenom aus San Diego geprüft (Obstet Gynecol 2016; 128: 1340–1346).

Diagnostik mit Massenspektrometrie

Es ist das in den USA derzeit einzige dafür zugelassene Testsystem. Es beruht auf dem MALDI-TOF-Verfahren (matrix-assisted laser desorption/ionization–time-of-flight mass spectrometry), also auf einer massenspektrometrischen Methode. Mit der Gentypisierung werden die drei Exone 4, 5 und 7 des RhD-Gens sowie das RhD-Pseudogen analysiert. Das Pseudogen ist eine Variante des RhD-Gens, die nicht exprimiert wird.

Für die prospektive Beobachtungsstudie wurden die Blutproben von 520 RhD-negativen Schwangeren ohne Alloimmunisierung aus jedem Trimester sowie die Proben aus dem Nabelschnurblut der Neugeborenen verwendet. Die Studienteilnehmerinnen stammten aus insgesamt 17 klinischen Zentren in den USA und Kanada. Ausgewertet werden konnten die Proben von insgesamt 467 Teilnehmerinnen. Die Rh-Diagnostik der Neugeborenen erfolgte standardgemäß serologisch.

Nur ein falsch negatives Ergebnis

Wie die Ärzte berichten, lag die Falschpositivrate für RhD (positiver Test mütterlicher DNA bei RhD-negativem Fetus) im ersten Trimester nur bei 1,54 Prozent. Im zweiten Trimester betrug sie 1,53 Prozent, im dritten nur 0,82 Prozent.

Es habe nur bei einer Probe ein falsch negatives Testergebnis gegeben, also ein RhD-positiver Fetus mit einem negativen Testergebnis bei Analyse zellfreier mütterlicher DNA, und zwar im ersten Trimester. Ein solches – in dieser Studie somit sehr seltenes – Testergebnis wäre eine verpasste Gelegenheit für eine Alloimmunisierung. RhD-Pseudogene wurden schließlich bei 5,6 Prozent der Tests im ersten sowie bei 5,7 Prozent im zweiten und bei 6,1 Prozent im dritten Trimester nachgewiesen.

Falsche Probenkennzeichnung?

Die Ärzte vermuten, dass das falsch negative Ergebnis auf einer falschen Probenkennzeichnung bei zwei Patienten einer Klinik beruhte. Die Sensitivität des DNA-Testsystems berechneten sie zu einem Wert zwischen 98,6 und 100 Prozent, je nach Trimester, und die Spezifität zu einem Wert zwischen 99,4 und 99,2 Prozent.

Einschränkend weisen sie darauf hin, dass 87 Prozent der Studienteilnehmerinnen Weiße waren und 13 Prozent Afroamerikaner. Somit könne das Studienergebnis nicht auf andere Ethnien übertragen werden.

Auch seien keine Aussagen zu Testergebnissen bei Mehrlingsschwangerschaften möglich. Schließlich habe es sich nicht um frische, sondern um eingefrorene Blutproben gehandelt. Sie durften für die Studie nicht älter als 72 Stunden sein, weil die Stabilität bisher nicht über dieses Zeitfenster hinaus geprüft worden sei.

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