Ärzte Zeitung, 17.06.2004
 

Bei Wechseljahrsbeschwerden geht es oft nicht ohne Medikation

Frauenärzte plädieren für ein ganzheitliches Therapiekonzept /  Fragebogenaktion

MÜNCHEN (wst). 60 bis 80 Prozent aller Frauen in den Wechseljahren haben klimakterische Beschwerden. Obwohl eine konventionelle Hormonersatztherapie (HRT) hier sehr effektiv ist, hat aufgrund ungünstiger Studienergebnisse zu unerwünschten Wirkungen in den vergangenen Jahren der Anteil der Frauen zugenommen, die Vorbehalte gegen eine HRT haben. Eine mögliche Alternative für diese Frauen sind pflanzliche Präparate.

In einer bundesweit angelegten Fragebogenaktion wurden mehr als 5000 Gynäkologen zum Thema Wechseljahrsbeschwerden befragt. Die Ergebnisse hat der niedergelassene Internist Dr. Wolfgang Grebe aus Frankenberg an der Eder bei einer Veranstaltung des Unternehmens Schaper & Brümmer in München vorgestellt.

Demnach plädierten 70 Prozent der Befragten für ein ganzheitliches Konzept zur Behandlung von Frauen mit klimakterischen Beschwerden, einschließlich Bewegungs-, Ernährungs- und physikalischer Therapie.

Traubensilberkerzen-Extrakt als Alternative zu HRT

Alle Frauenärzte, die an der Münchner Veranstaltung teilgenommen hatten, waren jedoch davon überzeugt, daß bei vielen Patientinnen aufgrund der Schwere der Symptomatik nicht auf eine medikamentöse Behandlung verzichtet werden kann. Bei der Umfrage wurde außerdem deutlich, daß der Anteil derjenigen Frauen, die eine HRT ablehnen, von 2001 bis 2003 von 20 auf 30 Prozent gestiegen ist.

Für Patientinnen mit klimakterischen Beschwerden, die keine konventionelle HRT wünschen oder bei denen eine solche Behandlung kontraindiziert ist, gibt es als Alternative einen standardisierten Auszug aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze (Remifemin®).

Dieses Medikament habe sich in Studien als effektiv und gut verträglich erwiesen, betonte Professor Klaus Doench von der Universitätsfrauenklinik Göttingen. Es werde jedoch nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Bei Frauen in der Prämenopause mit neurovegetativ betonter Symptomatik eignet sich das Monopräparat, das nur einen Extrakt aus der Traubensilberkerze enthält. Bei Patientinnen in der Postmenopause oder bei Frauen mit besonders psychischen Beschwerden eignet sich eher die fixe Kombination des Traubensilberkerzenextraktes mit einem Auszug aus Johanniskraut (Remifemin® plus).

In einer Anwendungsbeobachtung wurden 2327 Frauen mit klimakterischen Beschwerden je nach Symptomatik drei Monate lang entweder mit dem Monopräparat oder mit der fixen Kombination behandelt. Die behandelnden Ärzte beurteilten den Therapieerfolg beider Alternativen bei über 60 Prozent der Patientinnen mit gut bis sehr gut. Doench lobte außerdem die gute Compliance der Frauen bei beiden Präparaten.

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