Ärzte Zeitung, 30.08.2004

Szintigraphie und Punktion bei suspekten Schilddrüsenknoten

Bei Knoten über 1 cm weiterführende Diagnostik indiziert

BADEN-BADEN (hbr/gwa). Strumen präsentieren sich im Ultraschall oft mit Knoten. Bei Knoten mit einem Durchmesser von mehr als 1 cm, Solitärknoten bei Männern, bei Morbus Basedow oder wenn die Knoten schnell wachsen, ist eine weiterführende Diagnostik wie Szintigraphie und Punktion wichtig.

Schilddrüsen-Sonographie. Je älter Patienten sind, desto häufiger werden Knoten gefunden. Foto: klaro

Diffuse Strumen sind hierzulande immer noch häufig. Je älter Betroffene sind, desto häufiger haben sie zusätzlich Knoten. In der Strumaprävalenz-Studie Papillon I wurden bei 78 000 Schilddrüsen-Sonographien bei jeder fünften eine Struma und bei jeder vierten Knoten entdeckt. Das berichtete Professor Petra-Maria Schumm-Draeger aus München beim MED-Congress in Baden-Baden. Elf Prozent der Frauen zwischen 18 und 30 Jahren hatten Knoten, bei den 46- bis 65jährigen aber bereits fast jede zweite.

Verdächtig sind Knoten bei Patienten in Nicht-Endemiegebieten. Das gleiche gelte für Solitärknoten in Endemiegebieten, speziell bei Männern, so Schumm-Draeger. Riskant sind Knoten in Basedow-Strumen und Rezidiv-Zysten. Bei schnellwachsenden Knoten alter Menschen besteht Verdacht auf anaplastisches Karzinom. Karzinomverdacht besteht etwa auch bei sonographisch echoarmen Knoten mit unscharfen Rändern.

Bei mehr als 1 cm Durchmesser ist eine Szintigraphie sinnvoll. Sind die Knoten szintigraphisch kalt, ist eine Feinnadelpunktion durch geübte Untersucher sinnvoll. Ergibt sich kein zytologisch auffälliger Befund, sollten die Knoten zumindest sonographisch alle sechs Monate kontrolliert werden, etwa auf Wachstum. Bei zytologischen Auffälligkeiten ist eine Operation indiziert. Das gilt auch, wenn Knotenstrumen Probleme wie Druckgefühl oder Schluckstörungen verursachen.

Bei szintigraphisch heißen Knoten (Autonomien) und Euthyreose sollte zumindest das TSH alle sechs Monate bestimmt werden, um frühzeitig eine beginnende Überfunktion zu erkennen. Außerdem sollten Betroffene über die Risiken einer erhöhten Jodaufnahme, etwa durch Röntgenkontrastmittel, Desinfektionsmittel oder Medikamente, aufgeklärt werden. Sind Patienten mit autonomen Knoten hyperthyreot, kommt eine Operation (etwa bei Solitärknoten) oder eine Radiojod-Therapie (etwa bei multifokaler Autonomie) infrage.

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