Ärzte Zeitung, 21.12.2004

Jeder Dritte hat Schilddrüsen-Veränderungen, ohne es zu wissen

Ultraschall-Untersuchung bei über 96 000 Freiwilligen in Deutschland / Auch internationale Aufmerksamkeit für die Ergebnisse von Papillon

WÜRZBURG (gwa). Jeder Dritte in Deutschland zwischen 18 und 65 Jahren hat eine Struma oder Knoten in der Schilddrüse. Die Prävalenz morphologischer Schilddrüsen-Veränderungen in Deutschland ist damit hoch. Das ist ein Ergebnis der Schilddrüsen-Initiative Papillon I, der größten Ultraschall-Screening-Studie ihrer Art.

Die Ergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift "Thyroid" veröffentlicht worden (11, 2004, 926). Zur Erinnerung: In Papillon I erhielten über 96 000 freiwillige Teilnehmer eine Ultraschall-Untersuchung der Schilddrüse (wie berichtet). Insgesamt 230 Schilddrüsen-Spezialisten untersuchten die Probanden. Geleitet wurde die Studie von Professor Christoph Reiners von der Universität Würzburg und seinen Kollegen. Partner der Schilddrüsen-Initiative waren deutsche Fachgesellschaften und Henning Berlin. Unterstützt wurde die Studie von Sanofi-Synthelabo, jetzt Sanofi-Aventis.

Die Probanden wurden befragt, ob ihnen Schilddrüsen-Krankheiten bekannt waren und ob sie Schilddrüsen-spezifische Medikamente wie L-Thyroxin einnahmen. Dann wurden die Teilnehmer sonographisch mit einem 7,5-MHz-Schallkopf untersucht. Die Schilddrüsen-Morphologie wurde beurteilt, und die Volumina der Schilddrüsen und vorhandener Knoten bestimmt.

Ergebnis: Insgesamt 33 Prozent der Untersuchten hatten morphologische Veränderungen - und zwar ohne es zu wissen. Etwa jeder Zehnte hatte eine Struma. Eine Struma wurde diagnostiziert, wenn das Schilddrüsen-Gesamtvolumen bei Frauen über 18 ml lag, bei Männern über 25 ml. Knoten hatten insgesamt gut 14 Prozent. Und: Je älter die Probanden waren, desto häufiger waren Schilddrüsen-Veränderungen. Zum Beispiel hatten gut acht Prozent der Frauen bis 25 Jahre Knoten ohne Schilddrüsenvergrößerung; bei den über 55jährigen waren es 27 Prozent (Männer fünf und 18 Prozent).

Wurden Auffälligkeiten entdeckt, wurden die Betroffenen an Spezialisten verwiesen. Was dabei gefunden wurde, konnte nicht systematisch erfaßt werden. Aber mindestens 15 Karzinome wurden zufällig entdeckt. Die Papillon-Ärzte empfehlen gemäß den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin, bei Schilddrüsen-Knoten ein Szintigramm zu veranlassen. Jeder inaktive Knoten über 1 cm sollte punktiert und das Punktat zytologisch untersucht werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Tumorpatienten bei Schmerztherapie unterversorgt

Viele Krebskranke erhalten keine adäquate Schmerztherapie. Das hat eine erste Analyse der Online-Befragung "PraxisUmfrage Tumorschmerz" ergeben. mehr »

ADHS-Arznei lindert Apathie bei Alzheimer

Eine Therapie mit Methylphenidat kann die Apathie bei Männern mit leichter Alzheimerdemenz deutlich zurückdrängen. mehr »

Zehn Jahre "jünger" durch Sport

Wer Sport treibt, ist motorisch gesehen im Schnitt zehn Jahre jünger als ein Bewegungsmuffel. mehr »