Ärzte Zeitung, 25.10.2013

Kommentar zur Hypothyreose

Non nocere!

Von Robert Bublak

Es ist ein Grundsatz der Medizin, dem Patienten durch die Behandlung vor allem nicht zu schaden. Das "Primum non nocere" gebietet auch, hergebrachte Therapievorgaben daraufhin zu prüfen, ob sie im Licht neuer Erkenntnisse dem Grundsatz noch gerecht werden.

Zu beobachten ist etwa in der Onkologie, dass behutsamem Vorgehen inzwischen öfter der Vorzug vor radikalen Maßnahmen gegeben wird - etwa beim Prostata- oder Brustkrebs. Und in der Hochdruckmedizin haben sich die Hypertensiologen in den neuen europäischen Leitlinien auf weniger rigorose Grenzwerte geeinigt.

Eine Studie zur Thyroxintherapie der subklinischen Hypothyreose lässt sich nun als Argument für eine sanftere Endokrinologie verstehen. Sie hat gezeigt, dass die Verschreibungen zunehmen - womöglich deshalb, weil die Schwellenwerte für das TSH gesunken sind.

Die Zahlen stammen zwar aus Großbritannien. Für deutsche Ärzte sind sie gleichwohl interessant, da die Briten eine TSH-Schwelle von 10 μU/l im Blick hatten. Hierzulande wird diskutiert, ob 2,5 μU/l schon zu hoch seien.

Zu fragen ist, ob das Non-nocere dabei stets beachtet wird. Denn die britischen Forscher verweisen zu Recht darauf, dass eine subklinische Hyperthyreose mehr schaden könnte als eine latente Unterfunktion.

Lesen Sie dazu auch:
Hypothyreose: Überdiagnostik und Übertherapie?

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Herpes-Viren unter Alzheimerverdacht

Die Virus-Hypothese erhält neue Nahrung: Herpesviren könnten mit einer Alzheimererkrankung zusammenhängen. Eine Reaktivierung der Viren könnte die Krankheit befeuern. mehr »

Das alles muss das Verarbeitungsverzeichnis enthalten

Zur Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung müssen Arztpraxen ein "Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten" anlegen. Was darin alles aufgeführt werden muss, fassen zwei Medizinrechtler zusammen. mehr »

Übermüdete Teens oft adipös und hyperton

Sowohl zu kurzer als auch schlechter Schlaf erhöht bei Jugendlichen das kardiometabolische Risiko. In der bisher größten Studie zum Thema wirkten sich entsprechende Defizite negativ auf Taillenumfang, Blutdruck und Lipide aus. mehr »