Ärzte Zeitung, 15.02.2017

Schilddrüse

Entlass-Management beugt Komplikationen nach Op vor

Ein konsequentes, individuell adaptiertes Entlassungs- Management kann Patienten nach Schilddrüsenoperation davor bewahren, in ein "Unterfunktions-Loch" zu fallen.

Von Christina Ott

Entlass-Management beugt Komplikationen nach Op vor

NEU-ISENBURG. Schilddrüsenoperationen sind in Deutschland auffallend häufig. Ein Vergleich mit anderen Ländern zeigt, dass in Deutschland immer noch sehr viel operiert wird, erläutert Professor Peter Goretzki, Chirurgische Klinik I am Lukaskrankenhaus Neuss, in einem Report zur Versorgung von Patienten mit gutartigen Schilddrüsenerkrankungen (Der Internist 2017, 58(1): 105-106). Dies liege zum einen daran, dass Strumen häufiger auftreten, und zum anderen spiele die "Knoten-Angst" eine Rolle, bei der automatisch jeder Knoten mit einem bösartigen Tumor assoziiert wird.

Op-Rate deutlich gesunken

Zwar liege die Operationsrate heute bereits um 20 Prozent niedriger als noch vor fünf Jahren (vor 2010: über 100.000 Eingriffe pro Jahr, 2013: unter 90.000 Eingriffe pro Jahr), so der Chirurg, trotzdem sei sie noch deutlich höher als in Großbritannien oder in den USA (Onkologe 2013; 19: 673-684). Wesentlich reduzieren ließe sich diese Zahl zum einen durch eine konsequente medikamentöse Behandlung, zum anderen müssten die Patienten darüber aufgeklärt werden, dass Knoten in der Schilddrüse zwar häufig, aber nur sehr selten bösartig sind, so Goretzki in dem Report.

Ist nach gründlicher diagnostischer Abklärung (Thyroid 2016; 26 (1) 1-160) eine Schilddrüsenoperation indiziert, sollte diese an spezialisierten Zentren erfolgen. Daten zum 30- Tage-Outcome zeigen, dass auf diese Weise Komplikationen und das Rehospitalisierungsrisiko reduziert werden können (Laryngoscope 2016, 126: 2630-2639).

Um weiteren Komplikationen vorzubeugen, haben sich frühe postoperative Parathormonbestimmungen bewährt – so lässt sich das Hypocalcämierisiko abschätzen (J Laryngol. Otol 2014, 128: 274-278). Im Rahmen des Entlassungs-Managements sollte selbst bei nur geringem Hypocalcämierisiko Calcium und Vitamin D gegeben werden und die Medikation im weiteren Verlauf vom Hausarzt kontrolliert abgesetzt werden, so Goretzki.

Im Hinblick auf die Substitution von Schilddrüsenhormonen müsse bei der Entlassung sichergestellt werden, dass der Patient genügend Schilddrüsenhormon zur Verfügung hat und einnimmt, erläutert der Chirurg aus Neuss. Werde mit der Hormongabe zu lange zugewartet, rutsche der Patient schnell in eine Unterfunktion mit allen Nachteilen wie zum Beispiel eine deutliche Gewichtszunahme. Um dies zu verhindern, bekommen zu entlassende Patienten – abhängig von der zugrundeliegenden Erkrankung, der Art der Operation und der präoperativen Schilddrüsenfunktion – Schilddrüsenhormone mit, sowie ein Rezept für die ersten Tage. Ein Folgerezept sollte der Patient sich beim Hausarzt ausstellen lassen.

Feineinstellung nach 4 bis 6 Wochen

Nach etwa vier bis sechs Wochen mit dieser pauschalen, grob adaptierten Schilddrüsenhormongabe ist eine individuelle Feineinstellung durch den Hausarzt oder Endokrinologen angezeigt. So lasse sich ein "Unterfunktions-Loch", unter dem Patienten früher litten, verhindern, so das Fazit von Goretzki.

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