Ärzte Zeitung, 01.12.2004

Testosteron-Spritze nur alle drei Monate nötig

Neue Formulierung zur intramuskulären Applikation / Auch bei langfristiger Anwendung keine Hormonkumulation

WEIMAR (grue). Wird Testosteron-Undecanoat in öliger Lösung injiziert, wird im Vergleich zu natürlichem Testosteron eine längere Wirkdauer und ein gleichmäßiger Hormonspiegel erzielt. Dazu muß das Präparat nur alle drei Monate intramuskulär injiziert werden.

Im Vergleich zu testosteronhaltigen Tabletten und anderen zu injizierenden Präparaten gibt es mit dem neuen Testosteron-Undecanoat-Präparat (Nebido®) weniger Schwankungen im Hormonspiegel, wie Professor Hermann Behre aus Halle berichtet hat. Der injizierbare Testosteronester wurde aus einem oralen Präparat entwickelt und soll die Hormontherapie weiter vereinfachen.

Männer mit Testosteron-Mangel und Hypogonadismus erhalten die ersten beiden Spritzen im Abstand von sechs Wochen. Eine Ampulle Testosteron-Undecanoat enthält vier Milliliter Injektionslösung, die sehr langsam und intramuskulär gespritzt wird. Die Injektion ist so wenig schmerzhaft und wird auch lokal gut vertragen. Die dritte und alle folgenden Injektionen werden nach jeweils zwölf Wochen appliziert.

"Die Testosteronspiegel sollten vor der nächsten Injektion im unteren Normbereich liegen, sonst werden die Injektionsintervalle um bis zu zwei Wochen verkürzt oder verlängert", so Behre bei einer Veranstaltung des Unternehmens Jenapharm in Weimar.

Größter Vorteil der Substanz ist nach seinen Angaben: "Auch nach 13 Injektionen haben wir noch physiologische Testosteronwerte gemessen". Der Hormonester scheine also nicht zu kumulieren. Dies habe sich auch in Langzeitstudien bestätigt. In einer Studie bei 40 Männern mit Hypogonadismus normalisierten sich auch die Gonadotropin-Konzentrationen. Die Knochendichte stieg in einem Jahr um sechs Prozent.

Prostatavolumen, PSA-Wert und hämatologische Parameter blieben in den Untersuchungen langfristig im Normbereich, sollten aber regelmäßig kontrolliert werden, empfahl Behre. Unter dieser Prämisse sei auch eine Umstellung von kurzwirksamen androgenhaltigen Tabletten, Pflastern oder Gelpräparaten jederzeit möglich. Werde von einem Injektionspräparat auf die neue Formulierung gewechselt, sollte zuvor der Testosteronspiegel bestimmt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Parodontitis als Risikofaktor für Krebs?

Ist eine Zahnbettentzündung ein Risikofaktor für bestimmte Krebsarten? Innerhalb einer großen Gruppe Frauen in der Menopause haben Forscher deutliche Zusammenhänge gefunden. mehr »

Kinder suchtkranker Eltern brauchen mehr Beachtung

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, fordert eine bessere Versorgung und Betreuung der Kinder von Suchtkranken. Kinder von Suchtkranken sind diesmal Schwerpunkt des Drogenberichts. mehr »

Hilfe für die Seele gefordert

Eine Krebsdiagnose ist ein Schock. Die Psychoonkologie soll helfen. Aber die Unterstützung ist wenig bekannt und unterfinanziert. mehr »