Ärzte Zeitung, 12.07.2005

Ein Info-Tag speziell für das starke Geschlecht

Die Angst vor Vorsorgeuntersuchungen und vor möglichen Krankheiten nehmen / Das war ein Ziel des 1. Heidelberger Männergesundheitstages

"Wir wollen mit dem Männergesundheitstag in erster Linie aufklären über die Notwendigkeit zu Vorsorgeuntersuchungen, aber auch über die bestehenden Therapiemöglichkeiten", so Professor Markus Hohenfellner, Leiter der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg zur "Ärzte Zeitung". Als Initiator des 1. Heidelberger Männergesundheitstages am vergangenen Samstag haben er und seine Abteilung im Vorfeld ganze Arbeit geleistet.

Sie standen gerne Schlange: Teilnehmer, die sich für den PSA-Test angemeldet hatten. Foto: Urologische Uni-Klinik Heidelberg

Von Swanett Koops

Was die Besucher im Kommunikationszentrum des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg erwartete, konnte sich sehen lassen: Vorträge über Themen wie Prostatakarzinom, Infertilität, Harninkontinenz, Impotenz oder ästhetische Operationen, Altbundeskanzler Helmut Kohl als Ehrengast, Ex-Sportstudio-Chef Dieter Kürten als Moderator, Schautafeln und Infostände, ein Technikpark zur Besichtigung urologischer Geräte, eine Tombola zu Gunsten der Europäischen Stiftung für Urologie - erster Preis ist ein Nachmittag mit Dr. Helmut Kohl in Berlin - und kostenlose Verköstigung im extra aufgebautem Großzelt mit Salat, Grillwürstchen, alkoholfreiem Bier und Erbsensuppe.

Aber der Renner an diesem Tag, der hauptsächlich von den Unternehmen Fujisawa und Yamanouchi, die seit April fusioniert haben, unterstützt wurde, war eindeutig die vom Unternehmen Roche Diagnostics kostenlos zur Verfügung gestellte PSA-Wert-Bestimmung. Etwa 500 Männer hatten sich dafür angemeldet.

Schon eine halbe Stunde, bevor es offiziell losging, standen die Männer Schlange, zuerst bei der Registrierung, wo Adresse und Infos zur bisherigen Prostata-Diagnostik erfaßt wurden, dann vorm Eingang zum provisorischen Labor im ersten Stock. Bei Bedarf konnten die Männer sich auch persönlich mit einem Urologen über ihre Krankheitsgeschichte unterhalten.

Die Reaktionen auf das große Angebot blieben nicht aus, die Männer waren begeistert: "Das ist ja irre", war etwa aus dem Inneren des Operationsroboters Da Vinci zu hören, mit dem die Männer für kurze Zeit selbst zum Operateur werden konnten.

Ein 67jähriger mit einer Prostata-Erkrankung, den seine Tochter auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht hat, war extra aus Saarlouis angereist. Ein 68jähriger will vorsorgen: "Ich fühle mich heute noch wohl, aber schon morgen kann es mich erwischen."

Und die Prostatakarzinom-Vorsorge war natürlich das große Thema beim 1. Heidelberger Männergesundheitstag. "Wir möchten den Männern sowohl die Angst vor der Vorsorgeuntersuchung als auch die Angst vor einer möglichen Erkrankung nehmen", sagte Hohenfellner.

Viele Leute glaubten, daß sie durch die Behandlung bei einer aufgedeckten Erkrankung mehr belastet würden als durch die eigentliche, noch symptomlose Erkrankung, so der Urologe. Die Folge: Männer drücken sich vor der Auseinandersetzung mit der eigenen Gesundheit.

Hohenfellner: "Männer meinen, sie müssen stark sein, und Stärke ist gleich bedeutend mit nicht krank sein." Männer seien zwar stark, aber in Wirklichkeit extrem ängstlich und nicht so pragmatisch wie Frauen. "Das ist eine fatale Kombination: Die falsche Selbsteinschätzung von Stärke und gleichzeitig ängstlich sein."

Auch wenn die meisten Besucher Männer waren - an die Frauen wurde an diesem Tag ebenfalls gedacht. Hohenfellner: "Wir denken auch schon über den Frauengesundheitstag nach!"

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