Ärzte Zeitung online, 12.08.2008

Zu wenig Testosteron verdirbt Frauen die Lust am Sex

MADRID (grue). Das sexuelle Verlangen von Frauen wird wesentlich durch das Hormon Testosteron gesteuert. Nach chirurgischer Entfernung der Eierstöcke entsteht ein Testosteron-Defizit, das zu sexueller Lustlosigkeit führen kann. Frauen mit entsprechendem Leidensdruck kann ein Testosteron-Pflaster in Kombination mit Östrogenen helfen.

Foto: Martin Chalou©www.fotolia.de

"Etwa ein Drittel des endogenen Testosterons stammt aus den Eierstöcken, eine chirurgisch herbeigeführte Menopause kann den Hormonhaushalt deshalb aus dem Gleichgewicht bringen", hat Professor Susan Davis aus Melbourne in Australien berichtet.

Von den betroffenen Frauen entwickeln bis zu 44 Prozent einen als HSDD (Hypoactive Sexual Desire Disorder) bezeichneten Libidoverlust, wie eine europaweite Studie ergeben hat. Die Behandlung mit dem Testosteron-Pflaster Intrinsa® zusammen mit Östrogen führte in kontrollierten Studien innerhalb von sechs Monaten zu einer Steigerung der sexuellen Aktivitäten um 74 Prozent im Vergleich zum Ausgangswert. Es handele sich dabei um eine direkte, nicht durch Konversion vermittelte Testosteronwirkung, sagte die Gynäkologin auf einer Veranstaltung des Unternehmens Procter & Gamble in Madrid.

Ähnlich effektiv sei die Therapie nach Studiendaten auch bei Frauen mit HSDD, die auf natürliche Weise in die Postmenopause gekommen sind. Zugelassen ist das Pflaster derzeit aber nur für Frauen mit chirurgisch bedingter Menopause.

Das Testosteron-Pflaster hat offenbar noch weitere günstige Effekte. So steigt durch die kombinierte Therapie von Testosteron und Östrogen die Knochendichte an, und der Anteil an fettfreier Körpermasse nimmt zu. Besonders bemerkenswert sei eine Verbesserung der kognitiven Funktionen, wie sie bei Anwendung von transdermalem Testosteron über 16 Wochen beobachtet wurde.

Da bei Frauen mit vorzeitig eingeleiteter, chirurgisch bedingter Menopause das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen nach einer aktuellen Untersuchung erhöht ist, könnte die Gabe von Sexualhormonen zur Erhaltung der Hirnleistungsfähigkeit beitragen. Dazu sind aber noch weitere Studien nötig.

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