Ärzte Zeitung, 24.04.2012

Müde mangels Testosteron

Männer, die sich müde und abgeschlagen fühlen, könnten auch an Testosteron-Mangel leiden. Grund genug, die Hormondiagnostik als Präventionsleistung anzubieten.

"Zur Prävention für Männer gehört Testosteron-Diagnostik"

Alles senkrecht: Dennoch kann es an Testosteron mangeln.

© Alex Hinds / fotolia.com

BAD HOMBURG (ine). Der Testosteronwert sollte fester Bestandteil der Diagnostik in der hausärztlichen Praxis sein.

Das hat der Essener Urologe und Gesundheitsökonom Dr. Tobias Jäger auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG) in Bad Homburg empfohlen.

Jäger stellte dort erste Ergebnisse einer Studie vor, bei der bei 900 Probanden der Testosteronspiegel gemessen worden war.

Die Messungen waren Teil der bundesweiten Aufklärungskampagne "Mann, oh Mann - Mein Testosteron", die von der DGMG 2011 gestartet wurde. Auf verschiedenen Veranstaltungen werden seitdem Männern ab 18 Jahren kostenlose Tests angeboten.

Diagnostik am besten vormittags

Jäger hatte im November während der Motor-Messe in Essen seine Tests gemacht. Bei 52 der 900 Männer waren hypogonadale Werte festgestellt worden. Niedrige Testosteronwerte, so Jäger, begännen bei Werten unterhalb von 3,5 ng/dl.

Erste Symptome seien Müdigkeit und Abgeschlagenheit, also eher psychische Symptome. "Ein klarer Hypogonadismus liegt bei Werten unterhalb von 2,5 ng/dl", so Jäger im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

So könnten sich etwa Symptome wie eine Hypercholesterinämie oder eine Osteopenie entwickeln.

Die Testosteronmessungen sollten möglichst in den Vormittagsstunden erfolgen, da der Testosteronspiegel einer zirkadianen Rhythmik unterliegt und nachmittags niedriger ist.

Jäger und sein Team haben den 52 Männern, bei denen die Werte niedrig waren, empfohlen, sich zur Weiterbehandlung an ihren Hausarzt oder Urologen zu wenden. "Dort sollte zunächst der Wert kontrolliert werden", rät Jäger.

Der Arzt als Dirigent der Hormone

Bestätige sich die Verdachtsdiagnose eines Hypogonadismus, sollte eine Testosteronersatztherapie mit Testosteron-Gel oder als intramuskuläre Depotspritze erfolgen.

Die Ersatztherapie entspreche den Leitlinienempfehlungen und werde bei nachgewiesenem Hypogonadismus von den Gesetzlichen Krankenkassen getragen.

In vielen Gesprächen mit den Männern habe sich auch herausgestellt, dass viele denken, wenn es mit der Muskelkraft und dem Sex klappt, sei alles in Ordnung.

"Doch gerade heute, wo viele Männer über Abgeschlagenheit und Burn-out klagen, sollte der Testosteronwert ein fester Bestandteil der Diagnostik sein", empfiehlt Jäger.

Auch im Zusammenhang mit anderen typisch internistischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Hypercholesterinämie lohne sich häufig der Blick auf den Testosteronwert.

Hormone, so der Urologe, seien letztlich "das Orchester des Mannes". Und ein guter Männerarzt könne zum "Dirigenten dieses Orchesters" werden.

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