Ärzte Zeitung online, 24.10.2017
 

Männermedizin

Mehr Diabetes und Hypertonie bei Testosteronmangel

Niedrige Testosteronspiegel bei Männern gehen nach einer Studie mit erhöhten Raten von Bluthochdruck und Diabetes einher.

Mehr Diabetes und Hypertonie bei Testosteronmangel

Vermehrtes Schwitzen ist nur ein Folge von Testosteronmangel bei Männern. Niedrige Werte gehen offenbar auch mit einem Risiko für Diabetes und Hypertonie einher.

© Gabriele Rohde / Fotolia

MÜNCHEN. Wie häufig ist ein Testosteronmangel und welchen Einfluss hat dieser auf Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht? Um diese Frage zu klären, hat die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V. (DGMG) von 2012 bis 2016 Testosteronwerte von mehr als 20.000 Männern im Alter von 18 bis 100 Jahren in Deutschland bestimmt. Die "20.000er-Testosteronstudie ist damit eine der größten Untersuchungen auf diesem Gebiet, betont die DGMG in einer Mitteilung.

Die Ergebnisse: Fast jeder zwölfte Teilnehmer (8 Prozent) hatte nach DGMG-Angaben einen erheblichen Testosteronmangel (< 2,5 ng/ml Testosteron). Wurde der Grenzbereich von 2,5 ng/ml bis 3,5 ng/ml mit berücksichtigt, bei dem es zu ersten unspezifischen Symptomen kommen kann, hatte beinahe jeder vierte Teilnehmer (23 Prozent) einen mehr oder minder schwerer Testosteronmangel.

Männer mit dem Hormondefizit hatten dabei im Vergleich zu Männern ohne Testosteronmangel sehr viel häufiger Bluthochdruck (+41 Prozent) und/oder Diabetes mellitus (+68 Prozent), berichtet die DGMG weiter. Zudem ergab sich bei Männern mit Testosteronmangel im Vergleich ein höherer Body Mass Index (29,5 vs. 26,7) sowie ein größerer Bauchumfang (109,1 cm vs. 100,5 cm).

Nach Ansicht der Gesellschaft sollten daher die Testosteronwerte bei Patienten mit entsprechenden Symptomen mitbestimmt werden. Gerade im Zusammenhang mit Diabetes mellitus stelle das Hormondefizit einen erheblichen Risikofaktor dar. Darüber hinaus könnte ein Testosteronmangel eine Ursache für Erkrankungen des metabolischen Syndroms sein. (eb)

Zum Weltmännertag am 3. November bringt die DGMG die Broschüre "Regelmäßig zur Männerinspektion – auch dann, wenn alles rund läuft" heraus, mit Infos zu Vorsorgeuntersuchungen sowie IGeL-Angeboten.

[26.10.2017, 00:48:08]
Dr. Uwe Wolfgang Popert 
Was sagen die Daten wirklich?
Untersucht wurden mehr als 20.000 Männer im Alter zwischen 18 und 100 Jahren aus mehr als 150 Städten und Großbetrieben in Deutschland.
Erstaunlicherweise diese Studie anscheinend bisher nicht in einem peer-reviewed Journal veröffentlicht - für eine so große Studie ziemlich ungewöhnlich.
Da könnte man dan nachvollziehen, ob die Statistik altersstandardisiert wurde. Immerhin gibt es ja eine behannte Korrelation: je höher das Alter, desto höher das Gewicht und das Risiko für Hypertonie und Diabetes und desto niedriger die Testosteronwerte.

Auffällig ist ebenfalls, dass hier von "Leiden" und "Testosteronmangel" gesprochen wird, und nicht von "niedrigen Testosteronwerten".
So bleibt einstweilen der Verdacht, dass sich hier eine Fachgruppe in IGeL-Pfründe retten will, weil es eigentlich in Deutschland zu viele Urologen gibt. zum Beitrag »

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