Ärzte Zeitung, 23.03.2005

Neues HIV nutzt ungewöhnliche Infektionswege

NEW YORK (ple). US-Ärzte haben Details der Infektion mit einem offenbar besonders aggressiven Aids-Erreger bei einem Homosexuellen nach einer Infektiologie-Tagung nun auch im "Lancet" veröffentlicht. Ungewöhnlich ist danach, daß die HIV-Variante unter anderen an Rezeptoren bindet, die normalerweise erst spät im Verlauf der Erkrankung genutzt werden.

In New York wurde, wie berichtet, vor kurzem bei einem homosexuellen Mann ein offenbar besonders aggressives HI-Virus entdeckt. Der aus dem Blut des Mannes isolierte Aids-Erreger vom Subtyp B dringt in Zellen ein, die den CXCR4-Rezeptor allein oder in Kombination mit dem CCR5-Rezeptor tragen. Folge ist die massenhafte Zerstörung von CD4-Zellen im Gastrointestinaltrakt und im Blut (Lancet 365, 2005, 1031).

Bisher wurden bei frisch Infizierten überwiegend HI-Viren nachgewiesen, die den CCR5-Rezeptor nutzen, um in die Zellen zu gelangen, und erst im späteren Verlauf der HIV-Krankheit solche, die den Rezeptor CXCR4 nutzen. Für die Ärzte um Professor David D. Ho aus New York ist diese Entdeckung - gemeinsam mit der Tatsache, daß der Patient ungeschützten und risikoreichen Sex mit vielen Partnern hatte und zudem die Party-Droge Speed (Metamphetamin) konsumierte - eine mögliche Erklärung für die rasche Zerstörung von Lymphozyten und für Aids innerhalb von wenigen Monaten.

Das Virus ist gegen alle Protease-Hemmer sowie gegen den nicht-nukleosidischen Hemmstoff der Reversen Transkriptase von HIV Nevirapin resistent. Nur für den Fusionshemmer Enfuvirtide und den nicht-nukleosidischen Hemmstoff Efavirenz ist der Aids-Erreger empfindlich, wie die Ärzte berichten. Noch immer sei unklar, ob der HIV-Infizierte ein Einzelfall ist.

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