Ärzte Zeitung, 06.07.2005

Schützt eine Beschneidung Männer vor HIV?

PARIS (ple). Die seit Jahren geführte Diskussion, ob die Beschneidung von Männern das HIV-Infektionsrisiko mindert, hat jetzt neue Nahrung erhalten. In einer randomisierten Studie mit mehr als 3000 Männern in Südafrika stellte sich offenbar heraus, daß sich in der Gruppe der beschnittenen Männer 70 Prozent weniger mit HIV infizierten als in der Vergleichsgruppe.

Über die allerdings noch nicht publizierte Studie, deren Ergebnisse beim Kongreß der Internationalen Aids-Gesellschaft in Rio Ende des Monats vorgestellt werden sollen, hat gestern das "Wall Street Journal" berichtet.

Leiter der Studie ist der französische Public-Health-Professor Bertran Aubert aus Paris. Erst kürzlich haben Wissenschaftler des südafrikanischen Cochrane-Zentrums nach der Analyse von 37 Studien über den Zusammenhang von Beschneidung und HIV-Infektionsrisiko berichtet, daß derzeit keine klare Aussage dazu möglich sei (Lancet Infect Dis 5/3, 2005, 165).

Zumindest epidemiologische Daten lassen aber vermuten, daß Beschneidung das Infektionsrisiko senkt. So ist die HIV-Prävalenz WHO-Angaben zufolge in Ländern, in denen mehr als 80 Prozent der Männer beschnitten sind, etwa in Benin oder Ghana, um das Zehnfache niedriger als in Ländern, in denen weniger als 20 Prozent der Männer beschnitten sind, zum Beispiel in Botswana und Zimbabwe.

Ein schützender Effekt der Beschneidung könnte darauf beruhen, daß die Vorhaut im Gegensatz zur Glans penis reichlich mit Zellen ausgestattet ist, die gezielt von HIV attackiert werden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Gefährliche Schlußfolgerung

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

"Telemedizin ist für uns Landärzte die Zukunft"

Geringes Honorar, hoher Aufwand und auf bestimmte Diagnosen begrenzt – trotzdem setzen einige Ärzte auf die Videosprechstunde. Und das aus vielerlei Gründen. mehr »

Was 100-Jährige von anderen unterscheidet

100-Jährige sind oft weniger krank als die Jüngeren. Worauf es ankommt, haben Forscher anhand von Daten von AOK-Versicherten herausgefunden. mehr »

Strategie zur Künstlichen Intelligenz gefasst

Die Bundesregierung will Deutschland fit für die Künstliche Intelligenz machen. Dazu hat das Kabinett jetzt Eckpunkte einer Strategie beschlossen. Gesundheit ist ein zentrales Thema. mehr »