Ärzte Zeitung, 28.07.2005

Todesfall können HIV-Infizierte versichern lassen

KÖLN (eb). HIV-Infizierte können jetzt auch eine Lebensversicherung abschließen - allerdings nicht in Deutschland, sondern nur im Nachbarland, den Niederlanden.

Wie die Deutsche AIDS-Gesellschaft in Köln mitteilt, können ab sofort HIV-Infizierte Personen bei der ING in Amsterdam oder der Aegon in Rotterdam eine Todesfallschutz-Police abschließen. Das gilt nach Angaben der Gesellschaft für Patienten, die eine antiretrovirale Standardtherapie erfolgreich absolvieren und niemals intravenös drogenabhängig waren.

Versicherungsnehmer, die diese Voraussetzungen erfüllen, müssen in den Niederlanden nur zwei- bis dreimal höhere Beiträge als Gesunde zahlen. Bislang lagen die Prämien für HIV-Infizierte zehn- bis 20fach über dem Normaltarif.

Mit ihrer Neubewertung entsprechen die niederländischen Versicherungsgesellschaften den Ergebnissen einer landesweiten Studie, wonach die Lebenserwartung von HIV-Infizierten etwa der von Diabetikern entspricht, so die Deutsche AIDS-Gesellschaft.

"Trotz der guten Altersprognose, die HIV-Infizierte infolge der antiretroviralen Therapie inzwischen haben, schätzt die deutsche Assekuranz das Versicherungsrisiko dieser Bevölkerungsgruppe immer noch falsch ein", sagt Professor Norbert H. Brockmeyer, Präsident der AIDS-Gesellschaft.

HIV-Infizierte seien in Deutschland generell vom Abschluß privater Lebensversicherungen sowie von Berufsunfähigkeitsversicherungen ausgeschlossen. "Damit geraten viele Betroffene in eine ebenso unerwünschte wie vermeidbare soziale Abhängigkeit und in die Sozialhilfe", betont Brockmeyer. Die deutschen Versicherungen werden aufgrund der niederländischen Datenlage umdenken müssen, meint Professor Brockmeyer.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis wurden erneut exzellente deutsche pharmakologische Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »