Ärzte Zeitung, 01.12.2005

Es gibt mehr HIV-Neuinfektionen in Deutschland als angenommen

Für 2005 eine 30prozentige Steigerung der Zahl Neuinfizierter erwartet

BOCHUM/BERLIN (Rö). Die Zahl der Neuinfektionen mit HIV in Deutschland ist höher als bisher angenommen. Dies belegt die neue Statistik des Robert-Koch-Institutes in Berlin, die das Institut zum heutigen Welt-Aids-Tag veröffentlicht hat. Das Institut geht von einer 30prozentigen Steigerung im Vergleich zum vergangenen Jahr aus.

Zahl der neu mit HIV Infizierten in Deutschland steigt stark
Seit 2003 steigen die Zahlen neu mit HIV Infizierter wieder schneller. Die Statistik des Robert-Koch-Institutes belegt es.

In diesem Jahr werden sich nach der aktuellen Schätzung 2600 Menschen neu mit HIV infizieren. Noch im September war das Institut nur von einer 20prozentigen Steigerung ausgegangen. Insgesamt leben etwa 49 000 Menschen mit HIV und Aids in Deutschland.

Die große Zunahme der Zahlen in diesem Jahr könne sich fortsetzen, wenn Aufklärungsarbeit und Prävention nicht wieder erheblich gesteigert würden, sagt der Präsident der Deutschen Aids-Gesellschaft Professor Norbert Brockmeyer von der Uni Bochum.

Die Zunahme der Zahl der Neuansteckungen in diesem Jahr hat Brockmeyer befürchtet. Denn bereits vor drei Jahren ist die Zahl der Syphilis-Erkrankungen stark gestiegen. Dies spricht für eine Zunahme von ungeschütztem Geschlechtsverkehr, was die Ausbreitung von HIV fördert.

Ein wichtiger Grund dafür sei, daß es an Aufklärungsarbeit für Menschen aus besonders gefährdeten Gruppen fehle. So habe die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nur noch ein Drittel ihrer ursprünglichen Mittel zur Verfügung, kritisiert Brockmeyer.

Bei allen schlechten Nachrichten zu HIV und Aids gibt es auch einen positiven Aspekt: Die Therapieerfolge halten an, wie Daten aus der deutschen Kohortenstudie mit HIV-Infizierten belegen, die das Kompetenznetz HIV/AIDS kürzlich vorgestellt hat. Bei zwei Dritteln der Behandelten sind keine Viren im Blut nachzuweisen. Damit dies so bleibt, fordert das Kompetenznetz langfristig eine verstärkte Forschungsförderung.

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